Zahlungsmoral deutscher Unternehmen

 
Unternehmen zahlen pünktlicher – 16,5 Prozent von ihnen beglichen im September Rechnungen verspätet
 
Unternehmen haben im September 2013 deutlich pünktlicher als im Vorjahr gezahlt: Der Anteil der zu spät zahlenden Firmen fiel um knapp zehn Prozent auf 16,5 Prozent. Von Oktober 2012 bis September 2013 erreichte die Zahlungsmoral der Firmen im August ihren Bestwert: Lediglich 16,1 Prozent der Firmen in Deutschland kamen ihren Zahlungsverpflichtungen verspätet oder nicht nach, der Rest überwies innerhalb des Zahlungsziels. Zu diesen Ergebnissen kommt die Gemeinschaftsstudie „Zahlungsmoral deutscher Unternehmen“ von EOS Deutschland, Spezialist für das Management debitorischer Risiken, und der Wirtschaftsauskunftei Bürgel.
 
Demnach weist der Juni 2013 im Untersuchungszeitraum die schlechteste Zahlungsmoral bei den Unternehmen auf. In diesem Zeitraum rangierte die Nicht- bzw. Spätzahlerquote bei 19,7 Prozent. Im Mai lag sie bei ebenfalls hohen 19,6 Prozent, um dann bis August um rund drei Prozentpunkte auf den Einjahres-Bestwert zu fallen. „Von April bis Juli erwies sich die Zahlungsmoral hiesiger Firmen gegenüber heute als weit schlechter. Der Einfluss des langen Winters wirkte sich bis in den Sommer hinein auf die Liquidität und das Zahlungsverhalten der Unternehmen aus“, kommentiert EOS Geschäftsführer Stephan Spieckermann die aktuellen Zahlen. „Das Wirtschaftswachstum lag im dritten Quartal bei nur 0,3 Prozent. Das Zahlungsverhalten ist aktuell daher besser, als wir erwartet hatten“, so Spieckermann.
 
„Die Unternehmen profitieren aktuell von der hohen Binnennachfrage seitens der privaten Konsumenten. Die niedrigen Zinsen sorgen für Investitionen bei den Unternehmen. Allerdings sorgt das Niedrigzinsniveau auch für eine geringere Sparquote und somit für weniger Rücklagen in Krisensituationen“, ergänzt Bürgel Geschäftsführer Dr. Norbert Sellin. Nach seinen Worten lag die durchschnittliche Überfälligkeit im September 2013 bei lediglich 24 Tagen. Im Oktober 2012 lag der Wert noch bei 51 Tagen.
 
Dennoch bleiben nicht-fristgerechte Zahlungen auffällig – immerhin wird knapp jede siebte Rechnung nicht oder zu spät beglichen. Gründe dafür sind Liquiditätsengpässe der Unternehmen, das Ausnutzen von Lieferantenkrediten und hohe Zahlungsausfälle bei den eigenen Kunden. Nur in wenigen Fällen haben Unternehmen schlichtweg vergessen, ihre Rechnungen zu bezahlen. Unterdessen begleichen andere Firmen – vorrangig große Unternehmen, die es sich erlauben können – die Rechnungen bewusst verspätet mit dem Ziel, die eigene Liquidität zu schonen.
Gerade für kleine Unternehmen mit wenig Eigenkapital hat das zögerliche Zahlungsverhalten von Kunden gravierende Folgen: Erstens bedeuten Zahlungsverzögerungen oder -ausfälle zusätzliche Mehrarbeit und entsprechende Kosten. Zweitens ist es in vielen Branchen üblich, dass ein Betrieb mit seiner Arbeitsleistung und den Materialkosten in Vorleistung geht. So tragen Unternehmen oft als Kreditgeber unfreiwillig das finanzielle Risiko. Drittens kann auch die Summe vieler kleiner Forderungen die Existenz bedrohen – wenn die Unternehmen über zu wenig Eigenkapital verfügen, sich die Auftragslage schlecht gestaltet und Nichtzahler ihre Stellung ausnutzen.
 
Die Zahlungsmoral der Unternehmen schwankt im September je nach Bundesland. Die beste in diesem Monat meldet Sachsen – nur 12,5 Prozent der Firmen zahlten die Rechnung nicht innerhalb der Rechnungsfrist. Auch in Thüringen und Brandenburg mit lediglich 12,8 bzw. 14,6 Prozent Unternehmen, die verspätet zahlen, ist das Zahlungsverhalten besser als im Bundesdurchschnitt. Hingegen zahlen die Firmen im Saarland im selben Monat mit einer Spät- bzw. Nichtzahlerquote von 22,4 Prozent am schlechtesten. Ebenfalls hohe Werte weisen Nordrhein-Westfalen (19,3 Prozent), Bremen (19,1 Prozent), Hamburg (18,8 Prozent), Berlin (18,3 Prozent) sowie Niedersachsen (17,7 Prozent) und Rheinland-Pfalz auf (17,5 Prozent).
 
Positive Entwicklungen beim Zahlungsverhalten im Jahresvergleich melden insgesamt 15 der 16 Bundesländer. Die einzige Ausnahme bildet Bremen. In der Hansestadt verschlechterte sich die Zahlungsbereitschaft von Firmen binnen eines Jahres um 0,6 Prozent. Die stärksten Verbesserungen melden Thüringen (28,9 Prozent weniger Überzieher), Sachsen (minus 17,1 Prozent) und Brandenburg (minus 16,8 Prozent).
 
Die durchschnittlichen Zahlungsverspätungen in Deutschland liegen laut EOS und Bürgel bei durchschnittlich 24 Tagen im September 2013. Im Oktober 2012 war dieser Wert mit knapp 52 Tagen Verspätung noch doppelt so hoch. Allerdings gibt es auch bei den Zahlungsverspätungen nach Tagen regionale Unterschiede: Während der Durchschnittswert in Bremen 19 Tage Verzug im September ausmachte, zahlten Unternehmen in Thüringen durchschnittlich 20 Tage zu spät. In Baden-Württemberg, Bayern und Hessen waren es 21 Tage. Auf die längste Zahlungsverspätung von 55 Tagen brachte es das Saarland.
 
Im Branchenvergleich schneiden Ver- und Entsorger (Wasser, Abwasser und Abfälle) mit einer Spätzahlerquote von 25,1 Prozent am schlechtesten ab. Auch in der Logistik (22,5 Prozent) und der Energieversorgung (19,6 Prozent) herrscht eine vergleichsweise schlechte Zahlungsmoral. Statistisch schneller begleichen hingegen die öffentlichen Verwaltungen ihre Rechnungen (7,9 Prozent Säumige) – ebenso wie Unternehmen in der Land- und Forstwirtschaft (8,5 Prozent). Obwohl der Gesamttrend positiv ist und immer mehr Unternehmen Zahlungen pünktlich anweisen, ist der Anteil überfälliger Zahler im Gastgewerbe binnen eines Jahres um mehr als 34 Prozent gestiegen. Besonders stark verbessert hat sich indes das Zahlungsverhalten des verarbeitenden Gewerbes. Hier schrumpfte der Anteil von säumigen Firmen um 18,6 Prozent.
 
Im September 2013 zahlten insbesondere die Aktiengesellschaften mit einem Anteil von 35,2 Prozent nicht fristgerecht. „Gerade größere Unternehmen scheinen ihre Marktmacht auszunutzen und begleichen ihre Rechnungen bewusst verspätet“, kommentiert Spieckermann. Ähnlich stark ausgeprägt ist die Tendenz im September bei den GmbHs (27,4 Prozent). Auch bei der Rechtsform der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) war die Quote von 21,7 Prozent sehr hoch. Zudem stieg bei der UG (haftungsbeschränkt) binnen eines Jahres der Anteil der Unternehmen, die nicht fristgerecht zahlen, um 19,7 Prozent – so stark wie bei keiner anderen Rechtsform.
 
Studienmethodik und Datenbasis DDMonitor
 
Die Analysedaten stammen aus der gemeinsam von EOS, Bürgel und Euler Hermes betriebenen Wirtschaftsdatenbank DDMonitor (Deutscher Debitoren Monitor). Der DDMonitor erfasst das Zahlungsverhalten von Firmen und Gewerbetreibenden nahezu jeder Wirtschaftssparte. Auf Grundlage des DDMonitor analysieren Bürgel und EOS regelmäßig die Bonität und das Zahlungsverhalten von mehr als 450.000 Unternehmen.
Herausgeber:  Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & Co. KG, Gasstraße 18, 22761 Hamburg, presse@buergel.de, www.buergel.de

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