Anzahl insolvenzgefährdeter Unternehmen steigt um 1,7 Prozent auf knapp 310.000 – Anstieg der Firmeninsolvenzen in 2020 erwartet

1. Einleitung: 8,7 Prozent der Unternehmen in Deutschland haben finanzielle Probleme

Über 310.000 Unternehmen in Deutschland werden mit finanziellen Problemen in das Jahr 2020 starten. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Informationsdienstleisters CRIFBÜRGEL zum Insolvenzrisiko von Firmen in Deutschland. Für die Analyse hat CRIFBÜRGEL über 3,5 Millionen Unternehmen in Deutschland hinsichtlich ihrer Kreditwürdigkeit bzw. Finanzkraft untersucht. Dazu gehören u.a. Angaben in den Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen, Umsatzzahlen, Zahlungserfahrungen oder Negativmerkmale. Die Anzahl der finanzschwachen Unternehmen steigerte sich laut Studie im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozent. Demnach haben derzeit 310.258 Unternehmen bzw. 8,7 Prozent der Firmen in Deutschland ein erhöhtes Insolvenzrisiko.

„Die Grundverfassung der Wirtschaft in Deutschland ist weiterhin gut. Angetrieben durch die Binnenkonjunktur und den privaten Konsum haben sich die Unternehmen in den letzten Jahren einen Puffer gegen Krisen aufgebaut. Diese Widerstandsfähigkeit beginnt jedoch zu bröckeln“, sagt CRIFBÜRGEL Geschäftsführerin Ingrid Riehl. Die Unternehmen stehen weiter unter dem Einfluss von Unsicherheiten und Risiken durch außenwirtschaftliche Faktoren, wie die offenen politischen Entscheidungen in den USA und in Großbritannien. „Hinzu kommt die steigende Anzahl an Großinsolvenzen im Jahr 2019. In vielen Fällen sorgen so Dominoeffekte dafür, dass zahlungsunfähige Firmen weitere Unternehmen mit in die Insolvenz ziehen. In knapp jedem fünften Betrieb ist das die Ursache für die eigene Insolvenz“, erklärt Riehl. Zudem halten die derzeitigen Niedrigzinsen Unternehmen am Markt, die unter normalen Bedingungen nicht wettbewerbsfähig wären. „Über diesen Unternehmen schwebt das Damoklesschwert einer möglichen Zinswende“, so die CRIFBÜRGEL Geschäftsführerin.

Da in den Insolvenzstatistiken vor allem die Vergangenheit abgebildet wird, sie gewissermaßen ein Blick in den Rückspiegel sind, nehmen die genannten Risiken und Faktoren erst mit einer zeitlichen Verzögerung Einfluss auf das Insolvenzgesehen. Für das Jahr 2020 gehen die Experten von CRIFBÜRGEL daher von steigenden Firmeninsolvenzen aus.

Für 2019 zeichnen sich einmal mehr, nämlich das zehnte Mal in Folge, eine sinkende Anzahl von Firmeninsolvenzen ab. Auf Jahressicht rechnet CRIFBÜRGEL mit 19.300 Firmenpleiten.

2. Bundesländer: Anteil finanzschwacher Unternehmen in Sachsen-Anhalt am höchsten

Laut Studie haben derzeit 310.258 Unternehmen in Deutschland finanzielle Probleme. Beim Blick auf die regionale Verteilung der Firmen mit hohem Zahlungsausfall- bzw. Insolvenzrisiko zeigen sich jedoch große Unterschiede. In absoluten Zahlen stehen Nordrhein-Westfalen (67.144), Bayern (39.876), Baden-Württemberg (31.391) und Niedersachsen (26.898) an der Spitze der Statistik der Bundesländer mit den meisten finanzschwachen Unternehmen. In Bremen (2.490) und im Saarland (2.996) gibt es absolut vergleichsweise wenig Firmen mit einem erhöhten Zahlungsausfallrisiko.

Bezogen auf die Firmendichte geht die höchste Insolvenzgefahr derzeit von Unternehmen in Sachsen-Anhalt aus. Aktuell sind 12,2 Prozent der Unternehmen dort in einer finanziellen Schieflage und somit von einer drohenden Zahlungsunfähigkeit betroffen. Aber auch in Sachsen (12,1 Prozent) Berlin (10,3 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (10 Prozent) ist mehr als jedes zehnte Unternehmen von einer Insolvenz bedroht. Prozentual betrachtet geht ein geringeres Risiko von Unternehmen in Bayern aus. Hier gelten nur 6,4 Prozent der Unternehmen als bonitätsschwach. Auch in Baden-Württemberg (6,9 Prozent), Hessen (7,5 Prozent) und Schleswig-Holstein (7,8 Prozent) ist die Quote insolvenzgefährdeter Unternehmen geringer als im Bundesdurchschnitt (8,7 Prozent).
 

3. Prozentuale Veränderungen: Hessen mit dem stärksten Anstieg insolvenzgefährdeter Unternehmen

In neun Bundesländern ist die Zahl finanzschwacher Unternehmen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum angestiegen. Die größten Zuwächse an finanzschwachen Unternehmen gab es in Hessen (plus 6,5 Prozent), Sachsen (6,0 Prozent), Hamburg und Sachsen-Anhalt (je 4,6 Prozent). In Brandenburg hingegen gibt es acht Prozent weniger insolvenzgefährdete Unternehmen als noch vor einem Jahr. Ebenfalls rückläufig sind die Zahlen in Bremen (minus 3,2 Prozent), Thüringen (2,8 Prozent), Baden-Württemberg (minus 2 Prozent), Saarland (minus 0,9 Prozent), Nordrein-Westfalen (minus 0,7 Prozent) und in Schleswig-Holstein (minus 0,2 Prozent).


4. Branchenanalyse: Höchstes Risiko in der Logistik und im Gastgewerbe

Je nach Branchenzugehörigkeit der untersuchten Unternehmen zeigen sich deutliche Unterschiede hinsichtlich der finanziellen Schwäche. Am stärksten von möglichen Zahlungsausfällen betroffen sind Unternehmen aus der Logistik (Insolvenzrisiko liegt bei 13,5 Prozent) und aus dem Gastgewerbe (11,3 Prozent). Darüber hinaus haben Firmen aus dem Baugewerbe ein höheres Risiko, Insolvenz anmelden zu müssen. Der Anteil gefährdeter Unternehmen liegt in dieser Branche bei 9,7 Prozent. Das geringste Risiko einer Insolvenz haben Energieversorger (1,9 Prozent) und Unternehmen aus dem Gesundheitswesen (2,9 Prozent).
 

5. Analyse der Rechtsformen: Hohes Insolvenzrisiko bei der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)

13,8 Prozent der Unternehmergesellschaften (haftungsbeschränkt) droht eine Insolvenz. Damit nimmt die UG den schlechtesten Wert aller Rechtsformen ein. Aber auch bei den Gewerbebetrieben (9,1 Prozent) und der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (8,8 Prozent) liegt der Anteil insolvenzgefährdeter Unternehmen über dem Durchschnitt. Ein geringes Insolvenzrisiko bergen Aktiengesellschaften. Nur 3,5 Prozent aller AGs gelten als finanzschwach und sind von einer Pleite bedroht.


6. Anzeichen von Unternehmenskrisen

Es gibt in der Praxis typische Verhaltensmuster, die frühzeitig auf eine prekäre Situation von Unternehmen hinweisen, etwa wenn eine schlechtere Zahlungsmoral, ein verändertes Bestellverhalten oder eine häufige Änderung in der Geschäftsführung, Bankverbindung oder Firmierung auftreten. Indikatoren sind aber auch, wenn Zahlungen durch ungerechtfertigte Mängelrügen hinausgezögert, mündliche Zusagen gebrochen oder häufig Rechnungskopien angefordert werden. Zudem leisten sich die betroffenen Unternehmen keine Neuanschaffungen mehr und nutzen veraltete Produktionsanlagen. Hinweise auf eine finanzielle Schieflage liefert auch der Verbrauch von Eigenkapital über Jahre hinweg oder die mehrfache Erhöhung der Kreditlinie (Fremdkapitaleinsatz).

7. Studiendesgin: Analyse der Finanzlage von Unternehmen

In der Studie hat CRIFBÜRGEL eine Vielzahl von Informationen zur Finanzlage der Unternehmen, die Aufschluss über die Zahlungsfähigkeit geben, ausgewertet. Dazu gehören u. a. Angaben in den Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen, Mitarbeiter- und Umsatzzahlen oder Zahlungserfahrungen. Außerdem fließen Informationen zu vorhandenen gerichtlichen Negativmerkmalen in die Analyse mit ein. Laut der aktuellen Auswertung gelten im Dezember 2019 310.258 Firmen in Deutschland als finanzschwach (Stichtag: 9. Dezember 2019). Anders ausgedrückt gelten 8,7 Prozent der insgesamt über 3,5 Millionen von CRIFBÜRGEL für die Studie auf Zahlungsfähigkeit untersuchten Unternehmen als überschuldet und demnach als insolvenzgefährdet. Die betroffenen Unternehmen verfügen über einen Bonitätsindex im Bereich zwischen 4,5 bis 6,0.

Herausgeber:  CRIF Bürgel GmbH, Friesenweg 4, Haus 12, 22763 Hamburg, presse@buergel.de, www.crifbuergel.de

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