Firmeninsolvenzen 1. Halbjahr 2011

Kernergebnisse

  • 10,9 Prozent bzw. 1.876 weniger Firmenpleiten (1. Halbjahr 2011: 15.302 Fälle; 1. Halbjahr 2010: 17.178 Fälle)
  • Bürgel rechnet im Gesamtjahr mit bis zu 30.000 Unternehmensinsolvenzen
  • Zweites Quartal 2011 mit 6,1 Prozent mehr Pleiten (7.879 Fälle) als im ersten Quartal 2011 (7.423)
  • Verlierer absolute Zahlen: Nordrhein­Westfalen (3.187 Insolvenzen)
  • Gewinner relative Zahlen: Bayern (32 Pleiten je 10.000 Unternehmen)
  • Verlierer relativer Wert: Bremen (91 Insolvenzen je 10.000)
  • Bundesdurchschnitt relative Zahlen: 48 Insolvenzen je 10.000 Firmen
  • Insolvenzzahlen in allen Ländern rückläufig – außer in Bremen (plus 5,7 Prozent)
  • Stärkster Rückgang in Baden­Württemberg (minus 18,5 Prozent)
  • Am meisten Firmeninsolvenzen bei Gewerbetrieben und Einzelunternehmen (Anteil: 44,5 Prozent)
  • Bei allen Rechtsformen sinkende Insolvenzzahlen: minus 23 Prozent (GmbH & Co. KG) bis minus 2,4 Prozent (Gewerbebetriebe und Einzelunternehmen)
  • Jungunternehmen besonders betroffen (Anteil: 25,7 Prozent)
  • Ältere Unternehmen (>50 Jahre am Markt) mit geringstem Anteil (2,5 Prozent)
  • Ältere Unternehmen (>50 Jahre am Markt) mit geringstem Anteil (2,5 Prozent)

1. Überblick: Firmeninsolvenzzahlen sinken um 10,9 Prozent
Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland sinkt im ersten Halbjahr 2011 in Deutschland weiter auf 15.302 Fälle. Das entspricht 10,9 Prozent weniger Unternehmenspleiten als im Referenzhalbjahr 2010. „Die positive konjunkturelle Lage in Deutschland wirkt sich auch auf die Firmeninsolvenzstatistik aus“, kommentiert Bürgel Geschäftsführer Dr. Norbert Sellin. Diese erfreuliche Wirtschaftsentwicklung soll laut den führenden Wirtschaftsinstituten weiter anhalten, wenn auch in abgeschwächter Form: Diese gehen für das laufende Jahr von einem dreiprozentigen konjunkturellen Wachstum aus. Entsprechend rechnet Bürgel für das Gesamtjahr 2011 mit einer auf bis zu 30.000 Fälle sinkenden Zahl an Firmeninsolvenzen – siehe Grafik 1.

Unternehmensinsolvenzen in Deutschland

Das kommt dem zahlenmäßigen Niveau vor der Finanzkrise gleich. „Würde sich der wirtschaftliche Aufwärtstrend im aktuellen Jahr weiter fortsetzen, gäbe es bezogen auf die vergangenen zehn Jahren nur im Jahr 2007 weniger Firmeninsolvenzen als in 2011“, ergänzt Sellin.
Einziger Makel: Im zweiten Quartal 2011 mussten 6,1 Prozent mehr Unternehmen eine Pleite verkraften als im ersten Quartal des Jahres: Waren es in den ersten drei Monaten lediglich 7.423 Firmen, standen im Folgequartal schon 7.879 Unternehmen vor dem Aus. Die weitere Entwicklung der Firmeninsolvenzen könnte stark von der Schuldenkrise in Europa geprägt sein. Diese droht den hiesigen wirtschaftlichen Aufschwung zu dämpfen.

2. Insolvenzstatistik pro Bundesland: Relativer Gewinner ist Bayern
Bei den absoluten Zahlen im Ländervergleich verteilen sich die 15.302 Firmeninsolvenzen im ersten Halbjahr am stärksten auf Nordrhein­Westfalen (3.187), Bayern (1.870) und Niedersachsen (1.701) – siehe Grafiken 2 und 3.

Insolvenzverfahren pro Bundesland

Insolvenzverfahren pro Bundesland

Bei der aussagekräftigeren relativen Betrachtung je 10.000 Unternehmen mussten im ersten Halbjahr 2011 in Bayern (32 je 10.000 Unternehmen) und Baden­Württemberg (35) am wenigsten Firmen aufgeben – siehe Grafiken 4 und 5.

Insolvenzverfahren pro Bundesland

Insolvenzverfahren pro Bundesland

Der Bundesdurchschnitt – dieser entspricht dem Niveau in Nordrhein­Westfalen – liegt bei 48 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen. Knapp besser schneiden das Saarland (42 je 10.000 Firmen), Hessen und Rheinland­Pfalz (beide 46) ab. Gravierend ist die Situation indes in Bremen mit 91 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen. Aber auch Sachsen­Anhalt (84), Sachsen (73), Mecklenburg­Vorpommern (64) und Niedersachsen (63) befinden sich im relativen Vergleich am unteren Ende der Insolvenzstatistik.

3. Zahlenmäßige Veränderungen: Lediglich Bremen mit Pleiteplus
Mit einer Ausnahme ist die Zahl der Firmeninsolvenzen im ersten Halbjahr in allen Bundesländern rückläufig – bundesweit um 10,9 Prozent bzw. um 1.876 Insolvenzen. Lediglich Bremen verzeichnet ein Plus von 5,7 Prozent auf 223 Fälle – siehe Grafiken 6 und 7.

Prozentuale Veränderung der Firmeninsolvenzen

Prozentuale Veränderung der Firmeninsolvenzen

Den stärksten Rückgang um minus 18,5 Prozent erlebt Baden­Württemberg. Auch Bayern und Sachsen­Anhalt ( je minus 17,2 Prozent) sowie Berlin (minus 17,1) haben sich mit einem sinkenden zweistelligen Wert wacker geschlagen – ebenso wie Schleswig­Holstein (minus 15,8 Prozent), Rheinland­Pfalz (minus 13,4), Sachsen (minus 11,8), Hessen (minus 11,7) und Mecklenburg­Vorpommern (minus 10,4).

4. Rechtsform: Gewerbetriebe und Einzelunternehmen am stärksten von Pleite betroffen
Den Löwenanteil an den 15.302 Firmeninsolvenzen im Untersuchungszeitraum halten Gewerbebetriebe und Einzelunternehmen mit 44,5 Prozent – siehe Grafik 8.

Unternehmensinsolvenzen nach Rechtsform

Aber auch die GmbHs unter den Pleitiers verzeichnen einen hohen Anteil von 35,8 Prozent. Die gute Nachricht: Bei allen analysierten Rechtsformen sinken die Insolvenzzahlen im Vergleich zum 1. Halbjahr 2010 – bei der GmbH & Co. KG sogar um minus 23 Prozent, bei den Gewerbebetrieben und Einzelunternehmen immerhin um minus 2,4 Prozent. Die übrigen Werte rangieren dazwischen – siehe Grafik 9.

Unternehmensinsolvenzen nach Rechtsform

5. Firmenalter: Jungunternehmen weiterhin am stärksten betroffen
Rund ein Viertel aller Unternehmen (25,7 Prozent; 3.932 Firmen), die im ersten Halbjahr 2011 Insolvenz anmelden mussten, war nur bis zu zwei Jahre am Markt aktiv – siehe Grafik 10.

Unternehmensinsolvenzen nach Alter

Diese Firmenaltersgruppe verzeichnet jedoch gegenüber dem 1. Halbjahr 2010 eine minimale Verbesserung um minus 1,5 Prozent. Warum insbesondere Jungunternehmen immer wieder Insolvenz anmelden müssen, hat damit zu tun, dass es diesen Neuzugängen oft an Eigenkapital fehlt, um Krisen zu überstehen. Zudem gestaltet sich der Zugang zum Kapitalmarkt für Jungunternehmen schwieriger und kostenintensiver. Auch müssen sich diese erst am Markt etablieren und einen Kundenstamm aufbauen. „Viele der insolventen Unternehmen wurden vor zwei Jahren zu Hochzeiten der Finanzkrise gegründet. Die Folgen des schwierigen Startzeitpunkts werden jetzt erkennbar“, kommentiert Bürgel Geschäftsführer Sellin.
Ein weiteres Viertel der Firmenpleitiers (24 Prozent) im ersten Halbjahr 2011 gehört der Gruppe der 11 bis 20 Jahre am Markt bestehenden Unternehmen an. Je länger eine Firma aktiv ist, desto stärker sinkt indes deren Insolvenzwahrscheinlichkeit: So beträgt der Anteil jener Unternehmen an der Insolvenzstatistik, die länger als 50 Jahre am Markt sind, lediglich 2,5 Prozent. Zudem gehen die Unternehmensinsolvenzen in dieser Gruppe um 19,7 Prozent zurück. Ähnlich gute Rückgänge um 19,8 Prozent verzeichnet das Segment der mehr als 20 Jahre am Markt Aktiven – siehe Grafik 11.

Unternehmensinsolvenzen nach Alter

6. Ausblick und Fazit: Bürgel prognostiziert maximal 30.000 Firmenpleiten in 2011
Die aktuellen Prognosen der Wirtschaftsinstitute gehen davon aus, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland das Vorkrisenniveau im Jahr 2011 erreichen oder sogar übertreffen wird. Die Entwicklung bei den Firmeninsolvenzen passt sich diesem Niveau an. Entsprechend rechnet Bürgel für das Gesamtjahr 2011 in Deutschland mit bis zu 30.000 Firmeninsolvenzen.
Die Ursachen für Unternehmenspleiten sind vielfältig: Einflüsse haben erstens das Ausbleiben neuer Aufträge oder die Stornierung oder die Verschiebung bereits erteilter Aufträge. Zweitens sorgen Dominoeffekte dafür, dass zahlungsunfähige Firmen weitere Unternehmen mit in die Insolvenz reißen. Drittens bedroht die nach wie vor restriktive Kreditvergabe der Banken Firmenexistenzen – vor allem bei kleinen und Jungunternehmen. Viertens sind oft innerbetriebliche Fehler sowie fehlendes Eigenkapital für ein erhöhtes Insolvenzrisiko verantwortlich. Aber auch in Phasen guter Konjunktur gilt: Während einer positiven Wirtschaftslage sind Unternehmen nicht vor innerbetrieblichen Fehlern und einer daraus resultierenden Zahlungsunfähigkeit gefeit.

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