Firmeninsolvenzen 1. Quartal 2012

Kernergebnisse

  • Bundesweit minimaler Rückgang der Unternehmensinsolvenzen um 0,2 Prozent auf 7.405 Fälle im 1. Quartal 2012
  • Bürgel Prognose für Gesamtjahr 2012 geht von 29.000 bis 30.000 Firmeninsolvenzen in Deutschland aus
  • 4 Prozent mehr Jungunternehmen insolvent (absolut: 1.957 Firmen, anteilig 26,4 Prozent aller Firmenpleiten) gegenüber 1. Quartal 2011
  • Anteil der Unternehmergesellschaften (haftungsbeschränkt) steigt gegenüber dem Referenzquartal um 82,5 Prozent auf 396 Fälle – diese Quote entspricht dem stärksten Anstieg bei den Rechtsformen
  • Absolut am meisten Firmeninsolvenzen in Nordrhein-Westfalen (1.913 Fälle)
  • Relativ höchste Insolvenzquote in Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen (beide: 30 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen)
  • Bundesdurchschnitt: 24 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen
  • Geringste Fallzahlen in Bayern: 17 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen
  • Fallzahlen in 12 Bundesländern rückläufig; bestes Ergebnis: Bremen mit minus 31,6 Prozent
  • Stärkster Zuwachs: Nordrhein-Westfalen mit plus 25,3 Prozent
  • Meiste Pleiten nach Rechtsform: Gewerbebetriebe und Einzelunternehmen (Anteil: 44,3 Prozent, absolut: 3.281 Fälle)
  • Vor mindestens 50 Jahren gegründete Unternehmen halten geringsten Anteil an Insolvenzstatistik (absolut: 2,2 Prozent; Veränderung: um minus 19,2 Prozent rückläufig)

1. Überblick: Zahl der Firmeninsolvenzen minimal rückläufig
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sinkt im 1. Quartal 2012 gegenüber dem Referenzquartal des Vorjahres um 0,2 Prozent auf 7.405 Fälle. Die aktuelle Studie „Firmeninsolvenzen 1. Quartal 2012“ der Hamburger Wirtschaftsauskunftei Bürgel geht für das laufende Gesamtjahr von 29.000 bis 30.000 Firmenpleiten in Deutschland aus.
„Bezogen auf die Firmeninsolvenzzahlen wäre damit das Vorkrisenniveau erreicht“, kommentiert Bürgel Geschäftsführer Dr. Norbert Sellin die aktuellen Zahlen. Hintergrund: Trotz der europäischen Schuldenkrise befindet sich die Deutsche Konjunktur im Aufwind. Aktuell gehen die führenden Wirtschaftsinstitute davon aus, dass das reale Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2012 um 0,9 Prozent zulegen wird – obwohl die noch ungelöste Schulden- und Vertrauenskrise im Euroraum die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland nach wie vor bedroht. Unterm Strich rechnet Bürgel damit, dass sich der Rückgang bei den Firmeninsolvenzen auch 2012 fortsetzen wird – um minus ein bis minus vier Prozent – siehe Grafik 1.Unternehmensinsolvenzen in DeutschlandBesonders von der Insolvenz bedroht sind laut Bürgel Untersuchung einerseits Jungunternehmen und andererseits so genannte Unternehmergesellschaften (haftungsbeschränkt). Firmen, die bis zu zwei Jahre am Markt aktiv sind, mussten statistisch häufiger zum Insolvenzgericht als etablierte Unternehmen. Im Vergleich zum 1. Quartal 2011 stiegen die Fallzahlen der Unternehmen in dieser Altersgruppe um vier Prozent auf 1.957 Insolvenzen. Insgesamt gehen im Untersuchungszeitraum 26,4 Prozent aller Firmenpleiten auf das Konto von Jungunternehmen. „Ein dynamisches Gründungsgeschehen ist für Deutschland einerseits von hoher Bedeutung. Dieses fordert andererseits jedoch auch Opfer, wie die steigenden Insolvenzzahlen bei den Jungunternehmen belegen“, kommentiert Dr. Sellin. In der Startphase sorgt vor allem eine fehlende Kapitalausstattung für Finanzierungsschwierigkeiten. Auch scheitern Neugründungen, wenn die Geschäftsideen sich als nicht marktgerecht erweisen. Zudem machen den Gründern insbesondere Marktveränderungen, strategische Fehlentscheidungen und fehlende interne Kompetenz zu schaffen.

Zum zweiten steigt die Insolvenzstatistik der so genannten UG (haftungsbeschränkt) um 82,5 Prozent auf 396 Fälle. Diese Gesellschaftsform ist für Gründerinnen und Gründer kleiner Unternehmen, insbesondere für Dienstleister, geeignet, die ihre Haftung beschränken möchten und deren Unternehmen mit einer geringen Kapitaldecke auskommt.

2. Insolvenzstatistik pro Bundesland: Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen mit den meisten Insolvenzen nach Unternehmensdichte
Vergleicht man die absoluten Fallzahlen pro Bundesland, dann führt im 1. Quartal 2012 Nordrhein-Westfalen mit den meisten Firmeninsolvenzen (1.913 Pleiten) weit vor Bayern (977) und Baden-Württemberg (825) – siehe Grafiken 2 und 3.Insolvenzverfahren pro BundeslandBetrachtet man hingegen die Insolvenzen anteilig je 10.000 Unternehmen (errechnet nach der Umsatzsteuerstatistik), dann weisen Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt, beide mit 30 Pleiten je 10.000 Unternehmen, die höchste Insolvenzquote auf – siehe Grafiken 4 und 5.Insolvenzverfahren pro BundeslandInsolvenzverfahren pro BundeslandEs folgen Schleswig-Holstein (29 Fälle je 10.000 Unternehmen) sowie Thüringen und Bremen mit jeweils 28 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen. Der Bundesdurchschnitt rangiert bei 24 Pleiten je 10.000 Firmen.
Am besten geschlagen mit den geringsten Fallzahlen haben sich im Untersuchungszeitraum indes die Bundesländer Bayern (17 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen) und Baden-Württemberg (19). Auch die Quoten in Brandenburg (20), Hessen und Rheinland-Pfalz (beide 21), Hamburg (22) sowie Mecklenburg-Vorpommern (23) rangieren unter dem Bundesdurchschnitt.

 

3. Sinkende Firmeninsolvenzen in 12 Bundesländern – stärkster Rückgang in Bremen mit 31,6 Prozent
In 12 von 16 Bundesländern sinken die Insolvenzzahlen im 1. Quartal 2012. Hier schneidet Bremen am besten ab – mit einem Rückgang um minus 31,6 Prozent auf 78 Pleiten. Deutlich zweistellig sinken auch die Fallzahlen in Sachsen-Anhalt (minus 30 Prozent), Brandenburg (minus 27 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (minus 25,5 Prozent), Sachsen (minus 23,2 Prozent) und Hamburg (minus 13,3 Prozent) – siehe Grafiken 6 und 7.Prozentuale Veränderung der FirmeninsolvenzenProzentuale Veränderung der FirmeninsolvenzenWährend die Fallzahlen im Bundesdurchschnitt um 0,2 Prozent zurückgehen, verzeichnen vier Bundesländer im Untersuchungszeitraum mehr Firmenpleiten als noch im 1. Quartal 2011: Nordrhein-Westfalen meldet ein Plus von 25,3 Prozent mehr Insolvenzen. Auch Bayern (plus 7,2 Prozent) und Baden-Württemberg (plus 6,3 Prozent) müssen wachsende Fallzahlen verkraften. Einen minimalen Anstieg um plus 0,3 Prozent verzeichnet Schleswig-Holstein.

 

4. Firmenpleiten nach Unternehmensalter und Rechtsform: Besonders stark sind Gewerbetreibende und Jungunternehmen betroffen
Den größten Anteil von 44,3 Prozent an den Firmeninsolvenzen nach Rechtsform halten die Gewerbetreibenden und Einzelunternehmen. In ihrer Gruppe ereigneten sich im 1. Quartal des laufenden Jahres 3.281 Fälle – siehe Grafik 8.Unternehmensinsolvenzen nach RechtsformAuch zahlreiche GmbHs mussten zum Insolvenzgericht. Ihr Anteil an der Gesamtheit der Firmenpleitiers liegt im Untersuchungszeitraum bei 35,2 Prozent.
Die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) weist in der Bürgel   Statistik nach Rechtsform den stärksten Anstieg auf; ihr Anteil kletterte gegenüber dem Referenzquartal um plus 82,5 Prozent – siehe Grafik 9.Unternehmeninsolvenzen nach RechtsformBeim Fokus auf das Unternehmensalter fällt auf, dass mehr als ein Viertel (26,4 Prozent) der bundesweit 7.405 insolventen Firmen im ersten Quartal 2012 nicht länger als zwei Jahre am Markt aktiv waren – siehe Grafik 10.Unternehmensinsolvenzen nach AlterDer Anteil der insolventen Neugründungen stieg gegenüber dem 1. Quartal 2011 um 4 Prozent. Am wenigsten leiden indes Unternehmen unter Insolvenzen, wenn sie bereits mehr als 50 Jahre bestehen. Der Anteil dieser Firmen an der Insolvenzstatistik beträgt lediglich 2,2 Prozent und sinkt im Vergleich zum Vorjahresquartal sogar um 19,2 Prozent – siehe Grafik 11.

Unternehmensinsolvenzen nach Alter

5. Ursachen von Firmeninsolvenzen und Ausblick: rund 30.000 Pleiten in 2012 prognostiziert
Weil die Zahl der Firmeninsolvenzen im 1. Quartal 2012 im Vergleich zum Vorjahr minimal um 0,2 Prozent auf 7.405 Fälle sinkt, rechnet BÜRGEL  für 2012 in Deutschland mit 29.000 bis 30.000 Firmenpleiten. Die europäische Schuldenkrise bleibt allerdings ein latenter Risikofaktor.
Die drei wichtigsten Ursachen für Unternehmensinsolvenzen sind erstens das Ausbleiben neuer oder die Stornierung oder die Verschiebung bereits erteilter Aufträge. Zweitens sorgen Dominoeffekte dafür, dass zahlungsunfähige Firmen weitere Unternehmen mit in die Pleite ziehen. Drittens erhöhen oft innerbetriebliche Fehler, etwa im Management, sowie fehlendes Eigenkapital das Insolvenzrisiko.

Firmeninsolvenzen pro Bundesland – Kreise und kreisfreie Städte

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