Firmeninsolvenzen Gesamtjahr 2011

Kernergebnisse

  • 2011 wurden 30.294 Firmen in Deutschland zahlungsunfähig – 6,2 Prozent weniger als im Vorjahr
  • Bürgel Prognose 2012 geht bei den Unternehmensinsolvenzen von einem Rückgang bis zu einem Prozent aus
  • Absolute regionale Verteilung: Jede vierte Firmenpleite vollzieht sich 2011 statistisch in Nordrhein-Westfalen (6.786 Fälle)
  • Relative Verteilung im Bundesdurchschnitt: 88 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen
  • Am wenigsten Insolvenzen in Bayern (64 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen)
  • Weniger Firmeninsolvenzen in 15 von 16 Bundesländern gegenüber 2010 – nur in Nordrhein-Westfalen Anstieg um 3,6 Prozent
  • Stärkster Rückgang gegenüber 2010: Sachsen-Anhalt (minus 15,4 Prozent)
  • 26,6 Prozent aller 2011 insolventen Unternehmen (das entspricht 8.058 Firmen) sind Jungunternehmen, die bis zwei Jahre am Markt aktiv waren
  • 2011 steigt die Pleitequote der Jungunternehmen im Vorjahresvergleich um 34,5 Prozent
  • Bei Firmen, die länger als 50 Jahre am Markt aktiv sind, sinken die Insolvenzfallzahlen 2011 im Vorjahresvergleich um 35,4 Prozent
  • Besonders Gewerbebetriebe (Anteil an den bundesweiten Pleiten: 44 Prozent) und GmbHs (34,8 Prozent) melden 2011 Insolvenz an
  • 50,5 Prozent aller Insolvenzen im Jahr 2011 gehen aufs Konto von Dienstleistungsunternehmen

1. Überblick: Anzeichen für weiteren Rückgang 2012 – Ausnahme: Jungunternehmen bedroht
Im Gesamtjahr 2011 schlitterten 30.294 Firmen in Deutschland in die Zahlungsunfähigkeit (Stand der Bürgel Datenbank: 2.1.2012). Das sind 1.986 Fälle weniger (minus 6,2 Prozent) als im Vorjahr. „Die Konjunktur im vergangenen Jahr hat sich positiv auf die Zahl der Firmeninsolvenzen ausgewirkt“, kommentiert Dr. Norbert Sellin, Geschäftsführer der Hamburger Wirtschaftsauskunftei Bürgel. Derzeit bewegten sich die Fallzahlen laut der Studie „Firmeninsolvenzen 2011“ auf dem Niveau von vor der Finanz- und Wirtschaftskrise. Nur 2007 gab es weniger Insolvenzen als im vergangenen Jahr 2011 – siehe Grafik 1.

Unternehmensinsolvenzen in Deutschland

In Anbetracht der positiven Entwicklungen sieht Bürgel auch für 2012 vorerst keine Anzeichen für einen Negativtrend: Die Wirtschaftsauskunftei rechnet mit bis zu einem Prozent weniger Firmenpleiten als noch in 20111.
Besorgnis erregt indes die Pleitequote bei Jungunternehmen, die per Definition bis zu zwei Jahre am Markt aktiv sind. Im Vergleich zum Vorjahr 2010 klettert der Anteil um 34,5 Prozent. Die häufigste Ursache, die in diesem Segment zur Insolvenzhäufung führt, liegt darin begründet, dass Unternehmensgründer mit einer Vielzahl von Problemen zu kämpfen haben – in der Startphase vor allem mit Kapitalausstattung bzw. Finanzierungsschwierigkeiten. „Auch Marktveränderungen und strategische Fehlentscheidungen machen gerade Jungfirmen zu schaffen“, erläutert Dr. Sellin.

2. Insolvenzstatistik pro Bundesland: Am wenigsten Insolvenzen nach Firmendichte in Bayern
Jeder vierte Firmenpleitier – 6.786 Fälle – kam im absoluten Vergleich 2011 aus Nordrhein-Westfalen. Auch Bayern (3.794) und Niedersachsen (3.148) verzeichnen hohe Werte – siehe Grafiken 2 und 3.

Bezogen auf die Firmendichte in den einzelnen Ländern offenbart sich indes ein differenziertes Bild: 2011 gingen im Bundesdurchschnitt 88 je 10.000 Unternehmen pleite. Weniger erwischte es im Berichtsjahr die südlichen Bundesländer – allen voran Bayern mit lediglich 64 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen, gefolgt von Baden-Württemberg (65) – siehe Grafiken 4 und 5.

Aber auch Hamburg (72), Thüringen (77) und Hessen (86) schneiden überdurchschnittlich gut ab. Rheinland-Pfalz liegt mit 88 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen genau auf dem Bundesdurchschnitt.
Am schlechtesten steht Bremen mit 138 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen da. Aber auch in Sachsen-Anhalt (112 Fälle je 10.000 Firmen), Niedersachsen und Berlin (beide 105), Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen (beide 104) sowie Mecklenburg-Vorpommern (101) sind die Fallzahlen besonders stark ausgeprägt.

3. Rückläufige Zahlen in 15 von 16 Bundesländern – Ausreißer ist Nordrhein-Westfalen
2011 sind nicht nur die Fallzahlen bundesweit gegenüber dem Vorjahr um 6,2 Prozent rückläufig. In 15 der 16 Bundesländer sank die Zahl der Firmeninsolvenzen. Einzige Ausnahme: In Nordrhein-Westfalen beobachtet Bürgel einen Anstieg um 3,6 Prozent – siehe Grafiken 6 und 7.

Den stärksten Rückgang gegenüber 2010 verzeichnet Sachsen-Anhalt mit einem Minus von 15,4 Prozent. Aber auch Baden-Württemberg (minus 13,9 Prozent), Schleswig-Holstein (minus 13,8 Prozent), Rheinland-Pfalz (minus 11,6 Prozent) und Bayern (10,1 Prozent) melden sinkende Werte im zweistelligen Prozentbereich. Besser als der Bundesdurchschnitt sind ebenfalls die Zahlen in Thüringen (minus 9,2 Prozent), Hessen (minus 7,4 Prozent) sowie dem Saarland und in Sachsen (je minus 7,3 Prozent).

4. Firmenpleiten nach Unternehmensalter und Rechtsform: „Senior“-Firmen leben länger
Das größte Insolvenzrisiko verzeichnen laut der aktuellen Bürgel   Erhebung Jungunternehmen, die bis zu zwei Jahre am Markt aktiv sind. Deren Anteil stieg im vergangenen Jahr gegenüber 2010 um 34,5 Prozent an. Einen Zusammenhang, warum Jungfirmen statistisch am häufigsten in die Insolvenz schlittern, sieht Bürgel u.a. in der restriktiveren Kreditvergabe der Banken, den geringen Ressourcen in den Jungunternehmen sowie in der mangelnden Erfahrung der dortigen Unternehmer. Insgesamt zählen im Jahr 2011 rund ein Viertel aller insolventen Unternehmen (26,6 Prozent bzw. 8.058 Firmen) zu den Jungunternehmen – siehe Grafik 8.

Genau umgekehrt verhält es sich bei Firmen, die länger als 50 Jahre am Markt aktiv sind. Hier sinken die Fallzahlen 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 35,4 Prozent. Insgesamt sind 674 dieser „Senior“-Firmen betroffen. Sie halten einen Anteil von lediglich 2,2 Prozent an der Insolvenzstatistik. Nach Rechtsform werden statistisch am meisten Gewerbebetriebe (Anteil: 44 Prozent) von einer Firmeninsolvenz erfasst, gefolgt von den GmbHs mit einem Anteil von 34,8 Prozent – siehe Grafik 9.

5. Insolvenzen nach Branchen: Dienstleister am stärksten betroffen
Vor allem Dienstleister mussten im vergangenen Jahr aufgeben. Betroffen sind 15.305 einschlägige Firmen. Dieser Wert entspricht mehr als der Hälfte (50,5 Prozent) aller Insolvenzen im Jahr 2011. Aber auch der Handel mit 6.714 Firmenpleiten (Anteil am Insolvenzgeschehen: 22,1 Prozent), das Baugewerbe mit 4.317 (Anteil: 14,3 Prozent) und das verarbeitende Gewerbe mit 2.609 Insolvenzen (Anteil: 8,6 Prozent) sind besonders betroffen. Die übrigen Insolvenzen verteilen sich auf sonstige Branchen.

6. Ursachen von Firmeninsolvenzen und Ausblick
„Insgesamt blicken wir bei den rückläufigen Werten der Firmeninsolvenzen auf ein positives Jahr zurück“, kommentiert Bürgel  Geschäftsführer Dr. Sellin die aktuelle Entwicklung. Für 2012 rechnet er bundesweit mit einem einprozentigen Rückgang bei den Firmenpleiten. Dass 2011 indes 30.294 Unternehmen zahlungsunfähig wurden, hängt laut Dr. Sellin mit folgenden Schlüsselfaktoren zusammen: erstens dem Ausbleiben neuer Aufträge oder der Stornierung oder der Verschiebung bereits erteilter Aufträge. Zweitens sorgen Dominoeffekte dafür, dass zahlungsunfähige Firmen weitere Unternehmen mit in die Insolvenz reißen. „Selbst gesunde Firmen können in eine wirtschaftliche Schieflage geraten, denn rund 20 Prozent der insolventen Unternehmen sind von diesen Dominoeffekten betroffen“, erläutert Dr. Sellin. Drittens bedrohe die nach wie vor restriktive Kreditvergabe der Banken Firmenexistenzen – vor allem kleine und junge Unternehmen. Viertens seien oftmals innerbetriebliche Fehler sowie fehlendes Eigenkapital verbunden mit Finanzierungsschwierigkeiten für ein erhöhtes Insolvenzrisiko verantwortlich. Auch eine falsche Markteinschätzung oder das Fehlen von Wettbewerbsfähigkeit können zum Scheitern von Unternehmen führen, resümiert Dr. Sellin.

Firmeninsolvenzen pro Bundesland - Kreise und kreisfreie Städte

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