Führungspositionen in Deutschland: Kaum Fortschritte beim Thema Frauen in Führungspositionen / Hamburg ist Führungskräfte-Hauptstadt

1. Überblick: Analyse von 3.156.000 Führungspositionen in Deutschland

Frauenquote, Führungskräftemangel und demographischer Wandel sind Themen, die von der Politik und Öffentlichkeit in regelmäßigen Abständen diskutiert werden. Der Informationsdienstleister CRIFBÜRGEL hat diese Punkte aufgriffen und unter anderem folgende Fragestellungen untersucht: Wie hat sich die Frauenquote in Unternehmen in den letzten zwei Jahren entwickelt? Wie hoch ist die Frauenquote in Aufsichtsräten in deutschen Unternehmen? Wie ist die Altersstruktur von Führungskräften in deutschen Unternehmen? In welchen Bundesländern gibt es die meisten Führungskräfte?

Um diese Fragestellungen zu beantworten, hat CRIFBÜRGEL rund 3,15 Millionen Positionen von Führungskräften aus knapp 1,3 Millionen Unternehmen in Deutschland hinsichtlich Alter, Geschlecht und Regionen analysiert (Stichtag 30.10.2018). Bei den analysierten Führungspositionen handelt es sich um Geschäftsführer, Aufsichtsratsmitglieder und -vorsitzende und um Vorstandsmitglieder und –vorsitzende.

2. Frauenquote in Führungspositionen: Ostdeutsche Bundesländer stehen an der Spitze

Die Debatte um Frauen in Führungspositionen wird in Deutschland seit Jahren geführt, zuletzt immer intensiver. In der Folge ist dagegen relativ wenig passiert. Die Zahl der Frauen an der Spitze nimmt kaum zu. Der Frauenanteil an der Führungsschicht in den Betrieben liegt bei derzeit 22,6 Prozent und damit nur um 0,1 Prozentpunkte höher als vor 24 Monaten.

Die ostdeutschen Bundesländer nehmen beim Thema Frauen in Führungspositionen eine Vorreiterrolle ein. Brandenburg liegt mit einer Frauenquote in Führungspositionen von 28,3 Prozent wie schon vor zwei Jahren (26,1 Prozent) bundesweit an der Spitze. Aber auch in Sachsen (27,1 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (26,8 Prozent) liegt die Frauenquote in Spitzenpositionen deutlich höher als im Bundesdurchschnitt (22,6 Prozent).

Hessen liegt mit einer Quote von 22,6 Prozent im Bundesdurchschnitt. Nachholbedarf hinsichtlich der Frauenquote haben vor allem Baden-Württemberg (18,8 Prozent), Bayern (19,6 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (20,7 Prozent).
 



3. Unternehmensgröße: Frauenquote in Führungsposition nur in kleinen Unternehmen über dem Durchschnitt

Bei steigender Unternehmensgröße nimmt der durchschnittliche Anteil von Frauen in Spitzenpositionen kontinuierlich ab und steigt dann bei den Großunternehmen wieder an. Während in kleinen Firmen mit bis zu zehn Mitarbeitern mehr als jede vierte Führungskraft eine Frau ist (26,1 Prozent), sinkt die Chefinnenquote bei 101-bis-500-Mitarbeiter-Unternehmen auf 12,1 Prozent.  Bei Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern steigt die Frauenquote wieder an (13,4 Prozent). Bei Großunternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern liegt der Anteil von Frauen in Führungspositionen bei 16,8 Prozent.


Ähnlich verhält sich die Frauenquote in Unternehmen hinsichtlich des Kriteriums Umsatz. Den höchsten Frauenanteil in Führungspositionen haben Firmen mit einem Umsatz unter 1 Million Euro (24,9 Prozent). Danach sinkt die Frauenquote mit einem steigenden Umsatz kontinuierlich ab. Den niedrigsten Wert mit 10,5 Prozent erreicht sie bei Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 50 und 100 Millionen Euro. Bei Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Umsatz steigt die Frauenquote in Führungspositionen auf 11,9 Prozent.
 

 

4. Frauen in Führungspositionen nach Branchen: Frauenquote im Gesundheitswesen am höchsten

In der Analyse der Branchen liefert das Gesundheitswesen mit einer Frauenquote von 38,0 Prozent den höchsten Wert. Aber auch im Handel (26,9 Prozent) und im Verlagswesen (24,0 Prozent) nehmen Frauen überdurchschnittlich häufig Führungspositionen ein. Wenige Frauen in Führungspositionen sind indes im Maschinenbau (9,3 Prozent), im Baugewerbe (9,7 Prozent), in der Energieversorgung (11,2 Prozent) und in der Schifffahrt (11,9 Prozent) vertreten.

 


5. Schlechte Frauenquote in Aufsichtsräten

Obwohl die Politik seit Jahren eine höhere Frauenquote in deutschen Aufsichtsräten fordert, beträgt der Frauenanteil aktuell 17,1 Prozent. Dies zeigt eine Analyse von rund 93.000 Positionen von Aufsichtsräten (Aufsichtsratsmitglieder und Aufsichtsratsvorsitzende) in deutschen Unternehmen.

Auch bei der Frauenquote in Aufsichtsräten zeigen sich drei ostdeutsche Länder führend. In Brandenburg (23,9 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (22,8 Prozent) und in Sachsen (21,8 Prozent) ist die Quote bundesweit am höchsten. Es folgen Berlin (21,4 Prozent), Thüringen (20,0 Prozent) und Sachsen-Anhalt (19,4 Prozent). Den geringsten Anteil meldet hingegen das Saarland mit 14,0 Prozent weiblichen Aufsichtsräten. Auch in Baden-Württemberg (14,9 Prozent), Nordrhein-Westfalen (15,2 Prozent) und Niedersachsen (15,7 Prozent) sind Frauen in Aufsichtsräten nur unterdurchschnittlich vertreten.
 

 

6. Bundesländer: Hamburg ist die Hauptstadt der Chefs und Chefinnen

Unabhängig von der Analyse von Frauen in Führungspositionen liefert die aktuelle Studie noch weitere Ergebnisse. Werden die ausgewerteten Führungspositionen in das Verhältnis zu der Einwohnerzahl in den Bundesländern gesetzt, zeigt sich, dass Hamburg die Hauptstadt der Chefs und Chefinnen ist - in keinem anderen Bundesland gibt es so viele Führungskräfte wie in der Hansestadt. In Hamburg kommen auf 10.000 Einwohner 493 Führungskräfte. Aber auch in Sachsen (430 Führungskräfte je 10.000 Einwohner), Brandenburg (421), Berlin (420), Bayern (390), Thüringen (375), Hessen (373) und in Mecklenburg-Vorpommern (365) liegen die Werte über dem Bundesdurchschnitt. Dieser liegt bei 368 Chefinnen und Chefs je 10.000 Einwohner. Auf anteilig am wenigsten Führungskräfte in Deutschland bringt es Niedersachsen mit lediglich 310 Entscheidern je 10.000 Einwohner.


7. Altersklassen: Mehr als ein Viertel der Entscheider ist älter als 60 Jahre

Wie auch in den vergangenen Jahren bekleiden viele ältere Arbeitnehmer Führungspositionen. Laut CRIFBÜRGEL Untersuchung sind knapp ein Viertel (24,0 Prozent) der Führungskräfte beiderlei Geschlechts bereits älter als 61 Jahre. Während sich die meisten Geschäftsführer, Vorstands- oder Aufsichtsratsmitglieder aus der Gruppe der 51- bis 60-Jährigen (32,8 Prozent) und der 41- bis 50-Jährigen rekrutieren (28,6 Prozent), ist der Anteil an Führungskräften mit 30 Jahren und jünger gering ausgeprägt. In der Altersklasse der jungen Erwachsenen von 18 bis 20 Jahren arbeitet nur 0,2 Prozent in einer Führungsposition. Bei den 21- bis 30-Jährigen sind es 2,5 Prozent.
 


Hinsichtlich Entscheidernachwuchs wird sich in den nächsten Jahren einiges tun müssen.  Laut CRIFBÜRGEL sind 18,0 Prozent der Chefs und Chefinnen bereits über 65 Jahre alt und damit kurz vor dem oder bereits im Rentenalter und somit bedarf es bald einer Nachfolgeregelung. Die meisten Vorgesetzten in diesem Alter arbeiten in Rheinland-Pfalz. Hier liegt der Anteil der über 65-jährigen Chefs bei 20,3 Prozent. Hoch sind die Quoten zudem in Brandenburg (20,1 Prozent) und in Schleswig-Holstein (19,9 Prozent). Am wenigsten Nachwuchssorgen wegen eines baldigen Renteneintritts in der Führung dürfte Hamburg haben. Hier arbeiten lediglich 14,9 Prozent über 65-Jährige an der Spitze. Geringe Werte weisen auch Berlin (15,1 Prozent) und Bayern (16,0 Prozent) auf.
 

 

8. Durchschnittsalter bei Führungskräften liegt bei 51,9 Jahren

Die Führungskraft ist in Deutschland 51,9 Jahre alt. Während die statistisch ältesten Führungskräfte in Baden-Württemberg (Durchschnittsalter: 53,8 Jahre) und Bayern (53,0 Jahre) arbeiten, gehen in Brandenburg (50,6 Jahre), Thüringen und Sachsen-Anhalt (je 50,8 Jahre) statistisch die jüngsten Führungskräfte ihrer Tätigkeit nach.
 

Herausgeber:  CRIF Bürgel GmbH, Gasstraße 18, 22761 Hamburg, presse@buergel.de, www.crifbuergel.de

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