Private Zahlungsmoral weiter auf schlechtem Niveau

509.740 Eidesstattliche Versicherungen (EV) und 287.814 Haftanordnungen zu Vollstreckungen der EV – das ist die Bilanz der gerichtlichen Maßnahmen zur Eintreibung offener Forderungen gegen Privatpersonen im ersten Halbjahr 2006 in Deutschland. Insgesamt ergab sich damit im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um 3,5 Prozent auf 797.554; dabei im Westen um 2,0 Prozent auf 656.679 und im Osten sogar um 9,6 Prozent auf 140.875. Insbesondere die Zahl der Eidesstattlichen Versicherungen (früher „Offenbarungseid“) sank in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gegenüber dem Vergleichszeitraum 2005 um 5,2 Prozent auf 509.740. Bei den Haftanordnungen ergab sich bundesweit nur ein minimaler Rückgang um 0,3 Prozent. Die Entwicklung der gerichtlichen Zwangsmaßnahmen hängt einerseits zusammen mit dem rückläufigen Konsumverhalten, andererseits mit der Kreditzurückhaltung in den vergangenen Jahren. Denn: Hinter jeder Zwangsmaßnahme steht ein Konsument, ein Selbstständiger oder auch der Inhaber eines Kleingewerbes, der die Flut der Rechnungen und damit die Finanzen nicht mehr im Griff hat. Das Entstehen der Forderungen und damit der Schulden liegt zum Zeitpunkt des Erlasses der Vollstreckungsmaßnahme meist schon ein bis zwei Jahre zurück.

Im Konsumentenbereich sind notleidende Ratenkredite bei Banken, Versendern oder Leasingunternehmen der Grund für hohe Schulden. Im geschäftlichen Bereich führen vor allem Managementfehler, mangelndes wirtschaftliches Know-how und schlechtes Kredit- und Forderungsmanagement zu hohen Außenständen und Liquiditätsengpässen. Der Erlass einer Zwangsmaßnahme ist daher häufig der Beginn einer Schuldenkarriere, die nur schwer aufzuhalten ist. Oftmals sind mehrfache Zwangsmaßnahmen erste Anzeichen für die drohende Zahlungsunfähigkeit.

„Privatpersonen, die im Schuldnerregister bereits mit mehreren Eidesstattlichen Versicherungen belastet sind, treffen wir nicht selten einige Zeit später im privaten Insolvenzverfahren wieder“, so Dr. Norbert Sellin, Geschäftsführer Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & Co. KG. Bürgel recherchiert diese sogenannten Negativmerkmale aus dem Schuldnerregister und erfasst sie kontinuierlich in seiner zentralen Datenbank. Unternehmen nutzen die Bonitätsinformationen von Bürgel im professionellen Risikomanagement, um sich vor Forderungsausfällen zu schützen – und um gerichtliche Maßnahmen zur Eintreibung offener Forderungen möglichst zu vermeiden.

Für den Gläubiger steht der Einsatz gerichtlicher Inkassomaßnahmen am Ende eines langen Weges, bei dem er bereits vergeblich außergerichtlich versucht hat, sein Geld für erbrachte Lieferungen oder Leistungen zu erhalten. Kommt es sogar zur Haftanordnung, hat der zuständige Gerichtsvollzieher mehrfach versucht, beim Schuldner Einblick in das vollstreckbare Vermögen zu erhalten. Diese Phase ist für Gläubiger gleichbedeutend mit hohen Forderungsverlusten oder sogar Totalausfällen, die die eigene Liquidität gefährden.
Zum Schutz vor gerichtlichen Maßnahmen und um finanziell stabil zu bleiben, müssen vor allem Kleinbetriebe und Selbstständige lernen, Finanzen professioneller zu managen. Doch auch für Konsumenten ist der richtige und bewusste Umgang mit dem verfügbaren Einkommen wichtig. „Die insgesamt noch immer sehr hohe Zahl der gerichtlichen Zwangsmaßnahmen zeigt, dass hier bei Privatpersonen ein hoher Aufklärungs- und Informationsbedarf besteht“, so Sellin.

Herausgeber:  Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & Co. KG, Gasstraße 18, 22761 Hamburg, presse@buergel.de, www.buergel.de

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