Schuldenbarometer 1. bis 3. Quartal 2011

Kernergebnisse

  • In den ersten drei Quartalen 1,5 Prozent weniger Privatinsolvenzen als im Vergleichszeitraum 2010
  • Bundesweit 103.118 Privatpleiten in den ersten neun Monaten 2011
  • Bürgel Prognose für Gesamtjahr: 137.000 bis 139.000 Privatinsolvenzen
  • Absolut am meisten Privatinsolvenzen in Nordrhein-Westfalen (24.091 Fälle)
  • Relativ am meisten Fälle in Bremen: 227 Pleiten je 100.000 Einwohner
  • Bundesdurchschnitt: 126 Fälle je 100.000 Einwohner
  • Am wenigsten Pleiten in Bayern: 92 Fälle je 100.000 Einwohner
  • Sinkende Fallzahlen in zwölf Bundesländern
  • Stärkster Anstieg in Hamburg (plus 11,7 Prozent auf 3.087 Fälle) gegenüber den ersten neun Monaten 2010
  • Primus: Sachsen mit einem Rückgang um 9,8 Prozent
  • Fallzahlen bei den 18- bis 25-Jährigen nehmen um 3,2 Prozent zu (Frauen: plus 5,8 Prozent, Männer: plus 0,1 Prozent)
  • Fallzahlen bei der Gruppe 60-Plus steigen um 8,6 Prozent (Frauen: plus 14 Prozent, Männer: plus 5,2 Prozent)
  • Alterssegmente: stärkster Rückgang (minus 5,4 Prozent) bei den 36- bis 45-Jährigen
  • Die meisten der bzw. ein Drittel aller Fälle (32,2 Prozent bzw. 33.243 Insolvenzen) verursachen die 46- bis 59-Jährigen
  • 58 Prozent der Privatinsolvenzen haben Männer zu verantworten, bei den 36- bis 45-Jährigen beträgt der Männeranteil sogar 61 Prozent
  • Ausnahme von schuldnerischer Männerdominanz: bei 18- bis 25-Jährigen mehr Schuldnerinnen (Quote: 55,4 Prozent) mit größter Risikogruppe der alleinerziehenden Frauen
  • Zahl der Privatinsolvenzen steigt bei Frauen um plus 0,5 Prozent (Männer: minus 2,9 Prozent)

1. Überblick: Zahl der Privatinsolvenzfälle sinkt um 1,5 Prozent
Die Zahl der Privatinsolvenzen ist von Januar bis September 2011 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 1,5 Prozent gesunken. Insgesamt wurden in den ersten neun Monaten dieses Jahres 103.118 Bundesbürger zahlungsunfähig, meldet das aktuelle „Schuldenbarometer 1. bis 3. Quartal 2011“ der Hamburger Wirtschaftsauskunftei Bürgel. „Zwar hat sich die Situation im Untersuchungszeitraum aufgrund der positiven Konjunkturentwicklung und der Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt leicht entspannt“, erklärt Bürgel Geschäftsführer Dr. Norbert Sellin. Aber gerade aufgrund dieser positiven Signale habe Bürgel mit weniger Privatpleiten gerechnet als tatsächlich gemessen. Aktuell geht die Wirtschaftsauskunftei von Fallzahlen unter dem Niveau des Rekordjahres 2010 aus. Die Hamburger rechnen mit 137.000 bis 139.000 Privatinsolvenzen.

Entwicklung der Privatinsolvenzen in Deutschland

Besonders auffällig in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres sind folgende Entwicklungen: Erstens steigen die Insolvenzfallzahlen bei den jungen Erwachsenen von 18 bis 25 Jahren gegenüber den ersten drei Quartalen 2010 um plus 3,2 Prozent, in der Altersgruppe ab 60 Jahren sogar um plus 8,6 Prozent. Ein detaillierter Blick auf die Geschlechter nach Alter zeigt zweitens, dass bei den 18- bis 25-Jährigen vor allem junge Frauen Probleme mit Privatüberschuldung haben. In diesem Alterssegment steigen die Zahlen im Vergleich zu den ersten drei Quartalen 2010 um 5,8 Prozent – bei den Männern im selben Alter um lediglich 0,1 Prozent. Auch bei der Altersgruppe 60-Plus gehen drittens zunehmend mehr Privatinsolvenzen aufs Konto von Frauen – mit einem zweistelligen Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2010. Bei den gleichaltrigen Männern rangiert die Zunahme lediglich bei plus 5,2 Prozent. Viertens verbuchen Frauen in den ersten drei Quartalen 2011 gegenüber dem Referenzzeitraum des Vorjahres plus 0,5 Prozent mehr Privatinsolvenzen. Bei den Männern gehen die Fallzahlen hingegen um minus 2,9 Prozent zurück.

2. Ländervergleich: Am meisten Privatpleiten in Bremen mit 227 Fällen je 100.000 Einwohner
Ausgedrückt in absoluten Zahlen verteilen sich die 103.118 Privatinsolvenzen bundesweit in den ersten drei Quartalen vor allem auf die Bundesländer Nordrhein-Westfalen (24.091 Fälle), Niedersachsen (13.019), Bayern (11.566) und Baden-Württemberg (10.064) – siehe Grafiken 2 und 3.

Privatinsolvenzen pro Bundesland

Privatinsolvenzen pro Bundesland

In der Detailanalyse bezogen auf die Einwohnerdichte schneiden die nördlichen Bundesländer bei den Privatpleiten schlechter ab. Am meisten Fälle bei der relativen Betrachtung meldet Bremen mit 227 Pleiten je 100.000 Einwohner. Es folgen Hamburg (174 Fälle je 100.000 Einwohner), Niedersachsen (164) und Schleswig-Holstein (163) und das einzige nicht nördliche Bundesland: das Saarland mit 158 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner – siehe Grafiken 4 und 5.

Insolvenzverfahren pro Bundesland

Insolvenzverfahren pro Bundesland

Der Bundesdurchschnitt bewegt sich indes bei 126 Fällen je 100.000 Einwohner. Am besten schneiden Bayern und Baden-Württemberg ab – mit 92 bzw. 94 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner. Auch die Werte in Thüringen (107), Sachsen (114), Hessen (122) und Rheinland-Pfalz (123) liegen unter dem Bundesdurchschnitt.

3. Prozentuale Veränderungen: Sinkende Fallzahlen in zwölf Bundesländern, dafür zweistellige Zunahme in Hamburg
Insgesamt ist die Zahl der Privatinsolvenzen von Januar bis September gegenüber dem Referenzzeitraum des Vorjahres um 1,5 Prozent rückläufig. Den stärksten Anstieg verzeichnet Hamburg mit einem Plus von 11,7 Prozent auf 3.087 Privatinsolvenzen – siehe Grafiken 6 und 7.

Veränderung der Privatinsolvenzen

Prozentuale Veränderung der Privatinsolvenzen

Aber auch in Nordrhein-Westfalen (plus 5,9 Prozent), Berlin (plus 5,7 Prozent) und Thüringen (plus 2,9 Prozent) spitzt sich die Situation zu. Erfolge können hingegen zwölf Länder mit rückläufigen Zahlen für sich verbuchen: allen voran Sachsen mit einem Rückgang um 9,8 Prozent, Baden-Württemberg (minus 8,9 Prozent), Rheinland-Pfalz (minus 6,3 Prozent), Schleswig-Holstein und Niedersachsen (beide minus 4,9 Prozent) sowie Mecklenburg-Vorpommern (minus 4,8 Prozent). „Zwar bleibt die Situation in Hamburg angespannt. Davon aber abgesehen sinken die Fallzahlen in den nördlichen Bundesländern – was ich als positives Signal werte“, resümiert Sellin.

4. Alterssegmente: Junge Erwachsene und Bundesbürger ab 60 Jahre sind am stärksten bedroht
Bei der jüngsten und bei der ältesten betrachteten Altersgruppe steigen die Fallzahlen im Untersuchungszeitraum an: Die 18- bis 25-Jährigen legen bei den Veränderungen gegenüber den ersten drei Quartalen 2010 um 3,2 Prozent zu – im Vergleich zu den ersten neun Monaten des Jahres 2009 sogar um 38,8 Prozent. Eine Detailanalyse bei den jungen Erwachsenen zeigt, dass der Anstieg vor allem durch Frauen verursacht wird: Bei der jüngsten, weiblichen Altersgruppe steigt die Zahl der Privatinsolvenzen um 5,8 Prozent – bei den Männern dieses Alters hingegen nur minimal um 0,1 Prozent.

Vergleich der Altersgruppen und Geschlechter

Eine ähnliche Entwicklung vollzieht sich bei den Über-60-Jährigen: Auch hier steigen die Fallzahlen an – um plus 8,6 Prozent. Während die Werte bei den Frauen zweistellig steigen (plus 14 Prozent), vollzieht sich bei den gleichaltrigen Männern ein moderates Wachstum um plus 5,2 Prozent.
Den stärksten Rückgang bei den Privatinsolvenzen in den ersten drei Quartalen 2011 um minus 5,4 Prozent verzeichnet die Altersgruppe der 36- bis 45-Jährigen – siehe Grafik 9.

Vergleich der Altersgruppen

Auch die Fallzahlen bei den 46- bis 59-Jährigen sinken (minus 1,3 Prozent), ebenso wie bei der Gruppe der 26- bis 35-Jährigen (minus 0,7 Prozent). Die meisten Privatinsolvenzen – ein Drittel aller Fälle (32,2 Prozent bzw. 33.243 Insolvenzen) – verursachen im Untersuchungszeitraum die 46- bis 59-Jährigen. 29,8 Prozent der Privatinsolvenzen verteilen sich auf die 36- bis 45-Jährigen (30.726 Fälle). Knapp ein Viertel der Fälle (23,8 Prozent bzw. 24.559 Insolvenzen) betreffen die 26- bis 35-Jährigen. Die jungen Erwachsenen mit 18 bis 25 Jahren sind mit einer Quote von 6,6 Prozent vertreten (absolut: 6.796 Fälle), das Segment 60-Plus mit 7,6 Prozent (7.794 Insolvenzen).

5. Geschlechter: Zunehmend junge Frauen von Privatpleite bedroht
Der Trend, dass in Deutschland mehr Männer als Frauen Privatinsolvenz anmelden, bleibt auch in den ersten drei Quartalen 2011 bestehen. 58 Prozent der angemeldeten Privatinsolvenzen haben Männer zu verantworten – siehe Grafik 10.

Privatinsolvenzen in Deutschland

Diese Tatsache zieht sich durch fast alle Altersgruppen. Bei den 36- bis 45-Jährigen beträgt der Männeranteil sogar 61 Prozent. Dennoch gibt es eine Ausnahme: Bei den jungen Erwachsenen von 18 bis 25 Jahren dominieren die Schuldnerinnen mit einer Quote von 55,4 Prozent. Hier stellen alleinerziehende Frauen den Löwenanteil und gehören somit zur größten Risikogruppe für Überschuldung. Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass die Zahl der Privatinsolvenzen bei den Frauen im Vorjahresvergleich um plus 0,5 Prozent ansteigt. Bei den Männern sinkt der Anteil hingegen um 2,9 Prozent.

6. Fazit und Ausblick: BÜRGEL prognostiziert für 2011 bis zu 139.000 Privatinsolvenzen
Aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage und der sinkenden Arbeitslosigkeit in Deutschland geht Bürgel davon aus, dass die Zahlen des Rekordjahrs 2010 bei den Privatinsolvenzen nicht erreicht werden. Die Hamburger Wirtschaftsauskunftei schätzt die Fallzahlen für das aktuelle Gesamtjahr in Deutschland auf 137.000 bis 139.000 Privatpleiten. „Vor allem die jungen Erwachsenen können ihren finanziellen Verpflichtungen oft nicht mehr nachkommen“, kommentiert Bürgel Geschäftsführer Sellin.
Hauptursachen für Privatinsolvenz sind Arbeitslosigkeit, Scheidung, Trennung, Krankheit, gescheiterte Immobilienfinanzierung oder Selbstständigkeit sowie ein zur Einkommenssituation unpassendes Konsumverhalten. Privatüberschuldung betrifft laut Bürgel  Untersuchung vor allem das jüngste Alterssegment als gefährdetste Gruppe.

Herausgeber:  Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & Co. KG, Gasstraße 18, 22761 Hamburg, presse@buergel.de, www.buergel.de

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