Schuldenbarometer 1. Quartal 2012

Kernergebnisse

  • Rückgang der Privatinsolvenzen im ersten Quartal 2012 in Deutschland um minus 3,7 Prozent auf 32.760 Fälle
  • Bürgel Prognose geht von 132.000 Privatpleiten im Gesamtjahr 2012 aus
  • Beeinträchtigungen der Statistik durch Zunahme der Fallzahlen bei den Über-60-Jährigen (plus 1,7 Prozent) und den 18- bis 25-Jährigen (plus 35,6 Prozent) im Quartalsvergleich
  • Absolut am meisten Privatpleiten in Nordrhein-Westfalen (7.297 Fälle)
  • Relativ am meisten Insolvenzen: Bremen (74 Privatpleiten je 100.000 Einwohner)
  • Am wenigsten Überschuldungen in Bayern: 30 Fälle je 100.000 Einwohner
  • Bundesdurchschnitt: 40 Fälle je 100.000 Einwohner
  • Rückläufige Fallzahlen im Quartalsvergleich in 14 Bundesländern – einzige Ausnahmen: Berlin (plus 2,7 Prozent) und Bayern (plus 0,8 Prozent)
  • Größter Rückgang: Bremen (minus 15,6 Prozent)
  • 46- bis 59-Jährige am häufigsten von Zahlungsunfähigkeit betroffen (Anteil: 32 Prozent)
  • Über-60-Jährige mit den wenigsten Privatpleiten (Anteil: 7,9 Prozent)
  • Männer verursachen 57,8 Prozent aller Privatinsolvenzen
  • Lediglich bei 18- bis 25-Jährigen dominieren Schuldnerinnen (Anteil: 52,8 Prozent)

1. Überblick: 3,7 Prozent weniger Privatpleiten – Rückgang bleibt hinter Erwartungen zurück
Im ersten Quartal 2012 meldeten 32.760 Bundesbürger Privatinsolvenz an. Gegenüber dem Referenzquartal 2011 entspricht das einem Rückgang um 3,7 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „Schuldenbarometer 1. Quartal 2012“ der Hamburger Wirtschaftsauskunftei Bürgel. Demnach setzt sich der Trend sinkender Fallzahlen bei den Privatinsolvenzen aus dem letzten Jahr auch 2012 fort. „Die Situation in Deutschland hat sich vor allem aufgrund der verbesserten Konjunktur- und Arbeitsmarktentwicklung erholt“, erläutert Bürgel Geschäftsführer Dr. Norbert Sellin die sinkenden Zahlen bei den Privatinsolvenzen. Entsprechend geht Bürgel für das laufende Jahr von 132.000 Privatinsolvenzen aus. Allerdings gibt es Eintrübungen: Aufgrund der sinkenden Arbeitslosenquote – Arbeitslosigkeit gilt als Hauptursache von Privatinsolvenz – hätte der Rückgang stärker ausfallen müssen.Entwicklung der Privatinsolvenzen in DeutschlandZwei Besonderheiten beeinträchtigen im 1. Quartal 2012 den Trend rückläufiger Fallzahlen: Erstens steigt die Zahl der Privatinsolvenzen in der Altersgruppe der über 60-jährigen Bundesbürger um plus 1,7 Prozent. In diesem Segment sind vor allem Männer betroffen. Gegenüber dem Vergleichsquartal 2011 klettert die Zahl der männlichen Schuldner hier um plus 5,9 Prozent, während der Schuldnerinnenanteil in dieser Altersgruppe um 4,1 Prozent sinkt. Besonders gefährdet in dieser Altersgruppe sind Arbeitnehmer mit geringem Einkommen. Oft sind die Betroffenen geringfügig oder befristet beschäftigt, oder sie arbeiten in Teilzeit. Neben dem rückläufigen Rentenniveau tragen Arbeitslosigkeit und Niedriglöhne dazu bei, dass immer mehr Menschen von Altersarmut bedroht sind.
Noch dramatischer gestaltet sich zweitens die Situation der 18- bis 25-Jährigen: Deren Anteil klettert im Quartalsvergleich um mehr als ein Drittel (35,6 Prozent) auf 2.980 Privatinsolvenzen. Die jungen Erwachsenen fallen durch eine unwirtschaftliche Haushaltsführung auf, gepaart mit wenig Erfahrung beim Umgang mit Geld. Außerdem sind Einkommen und Konsumverhalten der Betroffenen häufig nicht vereinbar. So investiert insbesondere die Gruppe der 18- bis 25-Jährigen oft hohe Summen in mobile Endgeräte, Elektroartikel, Automobile und allgemein in den Raten- und Kreditkartenkauf. Ferner verfügen die jungen Erwachsenen über keine oder nicht ausreichende Rücklagen im Krisenfall. „Die unzureichende finanzielle Übersicht und die nicht budgetgerechte Finanzplanung spielen eine Schlüsselrolle bei der Entstehung der Überschuldung in dieser Altersgruppe“ kommentiert Bürgel Geschäftsführer Dr. Norbert Sellin den Anstieg der Privatinsolvenzen bei den 18- bis 25-Jährigen.
Zum Teil reichen in dieser Altersgruppe schon Schulden unter 10.000 Euro aus, um Privatinsolvenz anmelden zu müssen. Die Schuldenhöhe bei den 18- bis 25-Jährigen liegt damit unter dem Bundesdurchschnitt von circa 32.000 Euro.

 

2. Insolvenzen pro Bundesland: Nord-Süd-Gefälle und durchschnittlich 40 Fälle je 100.000 Einwohner
Absolut gesehen wurden im ersten Quartal 2012 die meisten Privatpersonen in Nordrhein-Westfalen zahlungsunfähig – es kam zu 7.297 Fällen. Auch die bevölkerungsreichen Bundesländer Niedersachsen (4.338), Bayern (3.780) und Baden-Württemberg (3.360) schneiden hier schlecht ab – siehe Grafiken 2 und 3.

Privatinsolvenzen pro BundeslandPrivatinsolvenzen pro BundeslandBei den relativen Zahlen – Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner – zeichnet sich ein Nord-Süd-Gefälle ab: Die meisten Privatpleiten ereigneten sich in Bremen (74 Privatpleiten je 100.000 Einwohner), gefolgt von Niedersachsen und Schleswig-Holstein (beide 55) sowie Hamburg (51), dem Saarland (50), Sachsen-Anhalt (48), Brandenburg (47), Berlin (42) und Nordrhein-Westfalen (41). Während die Fallzahlen in Mecklenburg-Vorpommern (40 Fälle je 100.000 Einwohner) dem Bundesdurchschnitt entsprechen, fällt die Quote in Bayern (30), Baden-Württemberg und Thüringen (beide 31) am geringsten aus – siehe Grafiken 4 und 5.Insolvenzverfahren pro BundeslandInsolvenzverfahren pro Bundesland

3. Veränderungen auf Länderebene: Zunahme nur noch in Bayern und Berlin
Die detaillierte Analyse der Fallzahlen in den jeweiligen Ländern spiegelt den bundesweiten Rückgang um 3,7 Prozent wider. Zumindest gilt die rückläufige Entwicklung im Untersuchungszeitraum für 14 der 16 Bundesländer. Lediglich in Berlin (plus 2,7 Prozent) und Bayern (plus 0,8 Prozent) ziehen die Insolvenzwerte bei Privatpersonen leicht an – siehe Grafiken 6 und 7.Veränderung der PrivatinsolvenzenProzentuale Veränderung der PrivatinsolvenzenDerweil kann Bremen mit minus 15,6 Prozent den größten Rückgang an Privatinsolvenzen gegenüber dem Referenzquartal im Jahr 2011 für sich verbuchen. Ebenfalls zweistellig sinken die Werte in Rheinland-Pfalz (minus 12,1 Prozent), Thüringen (minus 11,2 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (minus 10,6 Prozent) und Hamburg (minus 10,2 Prozent).

 

4. Altersgruppen: Immer mehr junge Erwachsene von Insolvenz bedroht
Die Altersgruppe der 46- bis 59-Jährigen ist am häufigsten von Privatinsolvenz betroffen. Sie hält im ersten Quartal 2012 ein Drittel (32 Prozent) an der Insolvenzstatistik. Es folgen die 36- bis 45-Jährigen mit einem Anteil von 27,8 Prozent sowie die Gruppe der 26- bis 35-Jährigen (23,1 Prozent). Fast jede zehnte Privatpleite (9,1 Prozent) geht auf das Konto der 18- bis 25-Jährigen. Die wenigsten Privatpleiten mit einem Anteil von 7,9 Prozent erfassen die Über-60-Jährigen.Vergleich der AltersgruppenDas jüngste und das älteste in der Bürgel Statistik betrachtete Segment machen eine Besonderheit aus: Während der Anteil in den mittleren Altersgruppen sinkt, klettern die Fallzahlen bei den jungen Erwachsenen im Vergleich des ersten Quartals 2012 mit dem Referenzzeitraum des Vorjahres um dramatische 35,6 Prozent – siehe Grafik 9. Diesen Anstieg haben vor allem die Männer in dieser Altersgruppe zu verantworten. Indes verzeichnen die Bundesbürger ab 60 Jahren einen, wenn auch leichten Anstieg der Fallzahlen um plus 1,7 Prozent.Vergleich der AltersgruppenVergleich der Altersgruppen und Geschlechter

5. Geschlechter: Mehr Männer von Privatinsolvenz betroffen
Männer verursachen 57,8 Prozent aller Überschuldungen. Diese männliche Dominanz zieht sich durch nahezu alle Altersgruppen. Besonders stark ist das Ungleichgewicht bei den 36- bis 45-Jährigen Schuldnern mit einem Männeranteil von 60,7 Prozent ausgeprägt. Die einzige Ausnahme bilden die 18- bis 25-Jährigen: Hier geraten im Untersuchungszeitraum mehrheitlich Frauen mit einem Schuldneranteil von 52,8 Prozent in die Zahlungsunfähigkeit.

 

6. Ausblick
Bürgel bewertet die rückläufigen Zahlen grundsätzlich als positiv. „Sorgen bereitet allerdings der anziehende Pleitetrend bei den jungen Erwachsenen und den älteren Bundesbürgern ab 60 Jahren“, resümiert Dr. Sellin. Insgesamt geht Bürgel für das Gesamtjahr 2012 von 132.000 Privatinsolvenzen in Deutschland aus.
Die Hauptursachen für Privatinsolvenz sind nach wie vor Arbeitslosigkeit, dauerhaftes Niedrigeinkommen, gescheiterte Selbstständigkeit, gescheiterte Immobilienfinanzierung, Trennung und Scheidung. Außerdem tragen mangelnde Erfahrungen im Umgang mit Finanzen und Banken, unpassendes Konsumverhalten und Einkommensrückgang massiv dazu bei, dass derzeit viele Bürger von einer Insolvenz betroffen sind – auch wenn gerade in der jüngsten Zielgruppe die Betroffenen nicht immer hoch verschuldet sein müssen, um in eine Insolvenz zu geraten.

Privatinsolvenzen pro Bundesland: Kreise und kreisfreie Städte

Privatinsolvenzen pro Bundesland Barden-WürttembergPrivatinsolvenzen pro Bundesland BayernPrivatinsolvenzen pro Bundesland BerlinPrivatinsolvenzen pro Bundesland BrandenburgPrivatinsolvenzen pro Bundesland BremenPrivatinsolvenzen pro Bundesland HamburgPrivatinsolvenzen pro Bundesland HessenPrivatinsolvenzen pro Bundesland Mecklenburg-VorpommernPrivatinsolvenzen pro Bundesland NiedersachsenPrivatinsolvenzen pro Bundesland Nordrhein-WestfalenPrivatinsolvenzen pro Bundesland Rheinland-PfalzPrivatinsolvenzen pro Bundesland SaarlandPrivatinsolvenzen pro Bundesland SachsenPrivatinsolvenzen pro Bundesland Sachsen-AnhaltPrivatinsolvenzen pro Bundesland Schleswig-HolsteinPrivatinsolvenzen pro Bundesland Thüringen

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