Schuldenbarometer 2011

Kernergebnisse

  • 2011 ereigneten sich in Deutschland 136.033 Privatinsolvenzen – 2,2 Prozent weniger als im Vorjahr
  • Risikogruppen unter den Schuldnern nach Alter: 18- bis 25-Jährige (Zunahme: plus 0,9 Prozent) und Gruppe 60 Jahre und älter (plus 6,7 Prozent). Junge Erwachsene mit 3,1-prozentigem Anstieg der Insolvenzzahlen bei den Frauen; Senioren mit anteilsmäßigem Zu
  • Am meisten Insolvenzen (absolute Werte) verzeichnet Nordrhein-Westfalen mit 32.389 Fällen
  • Spitzenreiter bei relativen Zahlen: Bremen mit 293 Insolvenzen je 100.000 Einwohner
  • Am wenigsten Fälle in Bayern mit 121 Pleiten je 100.000 Einwohner
  • Bundesdurchschnitt: 166 Insolvenzen je 100.000 Einwohner
  • Prozentuale Zunahme an Privatpleiten in vier Ländern – vor allem in Nordrhein-Westfalen (plus 7,1 Prozent)
  • Stärkster Rückgang in Sachsen (minus 13,3 Prozent)
  • Den Großteil (32,4 Prozent) der bundesweiten Privatinsolvenzen 2011 nach Alter verursachen die 46- bis 59-Jährigen Bundesbürger
  • Männer dominieren Schuldnerstatistik (durchschnittlicher Anteil: 58,1 Prozent) – Ausnahme: Bei den 18- bis 25-Jährigen verschulden sich mehr Frauen (Anteil: 55,1 Prozent)
  • Bürgel prognostiziert bis Ende des laufenden Jahres 135.000 bis 137.000 Privatpleiten

1. Überblick: 2,2 Prozent weniger Privatinsolvenzen – Anstieg bei jungen Erwachsenen und der Gruppe 60 Plus
2011 meldeten in Deutschland 136.033 Bundesbürger Privatinsolvenz an. Das entspricht einem geringen Rückgang um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zu diesem Ergebnis kommt das aktuelle „Schuldenbarometer 2011“ der Hamburger Wirtschaftsauskunftei Bürgel. Nur in den Jahren 2007 und 2010 gab es in Deutschland mehr Verbraucherinsolvenzen – siehe Grafik 1. In den letzten zehn Jahren mussten insgesamt mehr als eine Million Privatpersonen Insolvenz anmelden.

Entwicklung der Privatinsolvenzen in Deutschland

Bürgel Geschäftsführer Dr. Norbert Sellin begründet den leichten zahlenmäßigen Rückgang bei den Privatpleiten mit einer verbesserten Situation auf dem Arbeitsmarkt und einer entsprechend günstigen Konjunkturlage in Deutschland. Indes würden die Werte bei den Privatinsolvenzen weiterhin auf einem zu hohen Niveau verharren. „Gerade aufgrund einer sehr niedrigen Arbeitslosenquote mit dem tiefsten Stand seit 20 Jahren hätte der Rückgang stärker ausfallen müssen“, sagt Dr. Sellin. 2011 kletterten die Fallzahlen bei den beiden Insolvenz-Risikogruppen – der Gruppe der jungen Erwachsenen von 18 bis 25 Jahren um plus 0,9 Prozent und dem Segment 60 Plus um plus 6,7 Prozent. In den anderen Altersgruppen sind die Zahlen rückläufig. „Die Hauptursachen von Überschuldung in allen Altersgruppen sind vor allem Arbeitslosigkeit, Niedriglöhne und ein zum Einkommen unpassendes Konsumverhalten“, kommentiert Dr. Sellin. Gerade einkommensschwache Haushalte hätten oft kein Einsparpotenzial bei steigenden Ausgaben.

2. Insolvenzen pro Bundesland: Durchschnittlich 166 Fälle je 100.000 Einwohner
Im absoluten Vergleich verteilen sich die bundesweiten 136.033 Privatinsolvenzen im Jahr 2011 vor allem auf die Länder Nordrhein-Westfalen (32.389), Niedersachen (17.290), Bayern (15.202) und Baden-Württemberg (13.110) – siehe Grafiken 2 und 3.

Privatinsolvenzen pro Bundesland

Privatinsolvenzen pro Bundesland

Relativ betrachtet (Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner in den Bundesländern) ereigneten sich 2011 die meisten Privatpleiten in Bremen: 293 Fälle je 100.000 Einwohner – siehe Grafiken 4 und 5. Auch Hamburg (219 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner), Niedersachsen (218), das Saarland (213) und Schleswig-Holstein (212) melden hohe Werte.

Insolvenzverfahren pro Bundesland

Während der Bundesdurchschnitt bei 166 Pleiten je 100.000 Einwohner rangiert, können die folgenden Länder – allen voran die südlichen – niedrige Werte bei den Privatinsolvenzen aufweisen: Bayern meldet 121 Fälle je 100.000 Einwohner, gefolgt von Baden-Württemberg (122) und Thüringen (143). Unter dem Bundesdurchschnitt liegen auch die Zahlen in Sachsen (150 Pleiten je 100.000 Einwohner), Hessen (159) und in Rheinland-Pfalz (162).

3. Veränderungen auf Länderebene: Stärkster Rückgang in Sachsen
Obwohl die Fallzahlen 2011 bei den Privatinsolvenzen deutschlandweit um 2,2 Prozent sanken, verzeichnen vier der sechzehn Bundesländer eine Zunahme. Betroffen sind vor allem Nordrhein-Westfalen mit einem Plus von 7,1 Prozent, Hamburg (plus 6,0 Prozent) und Berlin (plus 5,2 Prozent). Aber auch Thüringen (plus 2,6 Prozent) meldet einen Anstieg – siehe Grafiken 6 und 7.

Veränderung der Privatinsolvenzen

Prozentuale Veränderung der Privatinsolvenzen

Den stärksten Rückgang verbuchen Sachsen mit einem Minus von 13,3 Prozent und Baden-Württemberg (minus 10,6 Prozent). Aber auch in Rheinland-Pfalz (minus 7,1 Prozent), Sachsen-Anhalt (minus 6,4 Prozent), Schleswig-Holstein (minus 5,5 Prozent) und Hessen (minus 5,3 Prozent) sowie Niedersachsen und Bremen (je minus 5,0 Prozent) sind die Fallzahlen rückläufig.

4. Altersgruppen: Immer mehr Frauen bei den jungen Erwachsenen und den Senioren von Pleite bedroht
Ein Drittel (32,4 Prozent) der bundesweiten Privatinsolvenzen im Jahr 2011 gehen aufs Konto der Altersgruppe der 46- bis 59-jährigen Bundesbürger – siehe Grafik 8. Insgesamt handelt es sich in diesem Segment um 44.086 Fälle.

Privatinsolvenzen in Deutschland

Es folgt die Gruppe der 36- bis 45-Jährigen mit einem Anteil von 29,7 Prozent. Die 26- bis 35-Jährigen verzeichnen eine hohe Quote von 23,8 Prozent. Weit geringere Anteile entfallen 2011 auf die Gruppen der Über-60-Jährigen (7,5 Prozent) und die jungen Erwachsenen von 18 bis 25 Jahren (6,6 Prozent).
Das jüngste und älteste von Bürgel untersuchte Pleitier-Segment macht eine Besonderheit aus: Während die Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr in den anderen Altersgruppen sinken, steigen die Werte bei den 18- bis 25-Jährigen und in der Gruppe 60 Plus – um 0,9 bzw. 6,7 Prozent – siehe Grafiken 9 und 10.

Vergleich der Altersgruppen und Geschlechter

Vergleich der Altersgruppen

In der Altersgruppe der jungen Erwachsenen ist ein 3,1-prozentiger Anstieg der Insolvenzzahlen bei den Frauen für die Veränderung der Werte der gesamten Altersgruppe nach oben verantwortlich, denn: Anders als bei den Frauen sinken die Werte bei den jungen Männern um 1,7 Prozent. Insgesamt meldeten im vergangenen Jahr 9.020 junge Bundesbürger von 18 bis 25 Jahren eine Privatinsolvenz an. Erstmals kletterten 2011 auch die Fallzahlen bei den Über-60-Jährigen Bundesbürgern – um 6,7 Prozent auf 10.173 Fälle. Besonders betroffen von Privatinsolvenzen sind, ähnlich wie bei den jungen Erwachsenen, die Frauen mit einem anteilsmäßigen Zuwachs um 12,3 Prozent. Zwar legten die Werte auch bei den männlichen Senioren zu, aber mit einem weit geringeren Anstieg um 3,3 Prozent.
Die Ursachen für Privatinsolvenz sind in beiden Risikogruppen unterschiedlich gelagert: Die jungen Erwachsenen fallen eher durch eine unwirtschaftliche Haushaltsführung auf, gepaart mit wenig Erfahrung im Umgang mit Geld. Außerdem sind Einkommen und Konsumverhalten der Betroffenen häufig nicht vereinbar. Häufig investiert die Gruppe hohe Summen in mobile Endgeräte, Elektroartikel, Automobile und den Kreditkartenkauf. Zudem verfügt die junge Altersgruppe über keine oder zu wenige Rücklagen im Krisenfall. Bei den Senioren-Pleitiers sind hingegen vor allem Arbeitnehmer mit einem geringen Einkommen gefährdet. Gerade die betroffenen Frauen dieser Gruppe sind oft geringfügig oder befristet beschäftigt, oder sie arbeiten in Teilzeit. Neben dem weiter sinkenden Rentenniveau tragen Arbeitslosigkeit und Niedriglöhne dazu bei, dass immer mehr Menschen im Alter von Armut bedroht sind. „Gerade weil das letzte Jahr bei den Privatinsolvenzen das drittschlechteste einer ganzen Dekade war, werten wir die Entwicklung in der jüngsten und ältesten Altersgruppe als dramatisch“, kommentiert Bürgel Geschäftsführer Dr. Sellin.

5. Privatinsolvenzen nach Geschlecht: Unterm Strich mehr Männer betroffen
58,1 Prozent aller Privatinsolvenzen verschulden Männer. Diese männliche Dominanz zieht sich durch nahezu alle Altersgruppen. Besonders stark ist das Ungleichgewicht bei den 36- bis 45-Jährigen Schuldnern mit einem Männeranteil von 60,9 Prozent ausgeprägt. Die einzige Ausnahme bilden die 18- bis 25-Jährigen: Hier sind mit einem Anteil von 55,1 Prozent mehrheitlich Frauen zahlungsunfähig.

6. Ausblick: Bis zu 137.000 Privatinsolvenzen für 2012 erwartet
Zwar ist 2011 bei den Privatinsolvenzen nicht zum Rekordjahr der letzten Dekade avanciert. Beunruhigend hoch sind die Fallzahlen in Deutschland jedoch allemal: „Besonders problematisch bewerten wir den anziehenden Pleitetrend bei den jungen Erwachsenen und den älteren Bundesbürgern ab 60 Jahren“, resümiert Bürgel Geschäftsführer Dr. Norbert Sellin. Für 2012 prognostiziert Bürgel, dass sich die Zahl der Privatinsolvenzen auf vergleichbarem Niveau fortsetzen wird. Aktuell geht die Wirtschaftsauskunftei von 135.000 bis 137.000 Fällen im laufenden Jahr aus.
Die Hauptursachen für Privatinsolvenz sind nach wie vor Arbeitslosigkeit, dauerhaftes Niedrigeinkommen, gescheiterte Selbstständigkeit, Trennung und Scheidung. Außerdem tragen mangelnde Erfahrungen im Umgang mit Finanzen und Banken, unpassendes Konsumverhalten und Einkommensrückgang massiv dazu bei, dass derzeit viele Bürger von einer Insolvenz betroffen sind.

Privatinsolvenzen pro Bundesland - Kreise und kreisfreie Städte

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