Zahlungsmoral deutscher Privatpersonen 2006

1.589.487 Millionen gerichtliche Maßnahmen wurden in 2006 gegen säumige Schuldner wegen unbezahlter Rechnungen in Deutschland verhängt. Nach der aktuellen Studie der Wirtschaftsauskunftei BÜRGEL waren damit im vergangenen Jahr 928.320 eidesstattliche Versicherungen, 536.409 Haftanordnungen und 124.758 Privatinsolvenzen anhängig. In diesen Zahlen spiegelt sich das Zahlungsverhalten sowohl von Konsumenten als auch von Einzelunternehmen, kleinen Gewerbebetrieben und Selbstständigen wider.

Insgesamt sank die Gesamtzahl der gerichtlichen Zwangsmaßnahmen in 2006 gegenüber 2005 um 7,0 Prozent. Die eidesstattlichen Versicherungen gingen in diesem Zeitraum deutschlandweit um 11,5 Prozent zurück. Die Zahl der Haftanordnungen lag in 2006 um 4,2 Prozent niedriger als im Jahr davor. Einen Anstieg um 25,1 Prozent gab es in 2006 gegenüber 2005 bei den Privatinsolvenzen.

Mit dem Rückgang setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort. Bereits 2005 war im Vergleich zu 2004 die Gesamtzahl der gerichtlichen Zwangsmaßnahmen um 1,2 Prozent gesunken. Die Ursache dafür liegt einerseits im zurückhaltenden Verbraucherkonsum und der damit verbundenen verringerten und vorsichtigeren Kreditaufnahme. Die Entwicklung spiegelt aber auch das gestiegene Risikobewusstsein der Unternehmen bei der Lieferung und Leistung auf Kredit wider.

Stärkste Rückgänge im Osten
Die rückläufige Tendenz der Maßnahmen wegen offener Forderungen zeigt sich bei den eidesstattlichen Versicherungen im Vergleich der Bundesländer in unterschiedlicher Ausprägung. Die stärksten Rückgänge gab es in den östlichen Bundesländern Brandenburg mit minus 22,5 Prozent (von 43.524 auf 33.729), Thüringen mit minus 9,4 Prozent (von 27.602 auf 25010) und Sachsen mit minus 9,1 Prozent (von 52.882 auf 48.052). Eine Zunahme um 5,7 Prozent im Jahr 2006 gegenüber 2005 zeigt die BÜRGEL Studie lediglich in Berlin (von 49.188 auf 51.970) und in Schleswig-Holstein (von 34.408 auf 36.122). In beiden Bundesländern ist davon auszugehen, dass dieser Anstieg entgegen dem bundesweiten Trend auf einem Überhang der zu bearbeitenden Akten aus dem Vorjahr 2005 beruht.
Eine ähnliche Entwicklung in den Bundesländern verzeichnete BÜRGEL bei den Haftanordnungen. Auch hier zeigt sich in Brandenburg mit minus 20,5 Prozent (von 14.283 auf 11.353) der stärkste Rückgang, gefolgt von Sachsen-Anhalt mit minus 9,4 Prozent (von 16.444 auf 14.900) und Nordrhein-Westfalen mit minus 8,0 Prozent (von 147.893 auf 136.071).

Jeder vierte Haushalt mit Schulden belastet
Trotz der leichten Rückgänge hält der Trend zum Schuldenmachen unvermindert an. Von den insgesamt 39 Millionen Haushalten in Deutschland waren 2006 rund vier Prozent von gerichtlichen Schuldeneintreibungsmaßnahmen betroffen. Arbeitslosigkeit und vorübergehende Liquiditätsengpässe nennen die privaten Schuldner als häufigsten Grund für offene Rechnungen, so der Bundesverband deutscher Inkassounternehmen (BDIU). Maßgeblich für die privaten Schuldenberge ist allerdings auch der ungeübte Umgang mit dem verfügbaren Einkommen. Ob für Kleidung, Möbel, Reisen oder Elektronik – häufig laufen mehrere Ratenkredite gleichzeitig und führen zu unüberschaubaren Schuldenbergen.
Die unbezahlten Rechnungen und die Ausdehnung der Zahlungsziele belasten nicht nur die Schuldner und ihre Familien. Im Schnitt warten deutsche Betriebe 15 Tage über das festgelegte Datum auf ihre Forderungen. Selbst liquide Kunden halten größere Beträge gern zurück, um Zinsen zu sparen. Vor allem kleinere Unternehmen und Handwerksbetriebe sind dadurch in ihrer Existenz gefährdet, da sie in der Regel über zu geringes Eigenkapital verfügen, um Zahlungsausfälle zu kompensieren. Schließlich beruht die Mehrzahl der Unternehmensinsolvenzen auf Forderungsausfällen.

Bonitätsinformationen und zügige Mahnungen schützen
„Das Zahlungsverhalten von Kunden ist ein verlässliches Frühwarnsystem für Ausfallrisiken“, so Dr. Norbert Sellin, Geschäftsführer der Wirtschaftsauskunftei Bürgel. „Unternehmen raten wir daher, sich im Vorfeld zu informieren, ob ihr Kunde finanziell gut aufgestellt ist.“ Anhand von Bonitätsinformationen lässt sich das Kreditrisiko eines Kunden bewerten und sogar im Voraus prognostizieren. 
Wenn Rechnungen trotz aller Vorsicht nicht pünktlich bezahlt werden, sollten Gläubiger umgehend mahnen und Verzugszinsen berechnen. Außenstände ziehen weitere Kosten nach sich: für Inkasso, Rechtsbeistand, Porto, Telefon etc. Schlimmstenfalls gerät der Mittelständler durch fehlende Zahlungen so in die Schieflage, dass nur ein teurer Kredit die vorübergehende Liquidität sichern kann. Und auch für die Schuldner werden die unbezahlten Rechnungen durch Verzugszinsen, Mahngebühren und Gerichtsvollzieherkosten immer teurer, je länger die Bezahlung hinausgezögert wird.

Zahlungsmoral deutscher Privatpersonen

Herausgeber:  Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & Co. KG, Gasstraße 18, 22761 Hamburg, presse@buergel.de, www.buergel.de

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