Studie: Zahlungsverhalten der Österreicher verbessert

Wien. ​Eine aktuelle Erhebung der Wirtschaftsauskunftei CRIF zeigt eine Verbesserung der Zahlungsmoral österreichischer Konsumenten im Vergleich zum Vorjahr.

Während die Anzahl jener Österreicher, deren Rechnungen im Beobachtungszeitraum an ein Inkassobüro übergeben wurden, gesunken ist, ist die durchschnittliche Forderungshöhe jedoch gestiegen.So wurde bei 1,43 Prozent der Österreicher eine Inkassomeldung neu eröffnet – im Vorjahr waren es noch 1,78 Prozent. Zugleich ist jedoch die durchschnittliche Forderungshöhe um ca. 15 Prozent auf rund 405 Euro (Vorjahr: 355 Euro) gestiegen. „Die aktuelle Entwicklung ist eine gute Nachricht für die heimischen Unternehmen – der Großteil ihrer Kundinnen und Kunden begleicht Rechnungen fristgerecht. Auch sind die Rückstände von durchschnittlich 405 Euro pro Inkassomeldung immer noch als relativ niedrig zu bewerten“, so Boris Recsey, Geschäftsführer CRIF Österreich. „Fakt ist jedoch, dass jeder Geschäftsabschluss – vor allem aber der Kauf auf offene Rechnung – für das Unternehmen ein gewisses Risiko birgt. Zahlen Kunden nicht oder nur verspätet, kann es zu Liquiditätsengpässen kommen. CRIF unterstützt hier vor allem den Handel und E-Commerce, aber auch Banken und Versicherungen, durch kreditrelevante Informationen beim Risikomanagement.“
Im Durchschnitt werden 5,5 Prozent der Inkassomeldungen innerhalb von 30 Tagen beglichen (2015: 7 Prozent), 12 Prozent der offenen Forderungen werden zwischen 31 und 90 Tage bezahlt (2015: 14 Prozent).

Burgenländer auf Platz 1, gefolgt von Tirol und Niederösterreich
Im Bundesländervergleich verfügen die Burgenländer, wie bereits im Vorjahr, über die beste Zahlungsmoral. Während auch die Tiroler und Niederösterreicher über ein mehrheitlich positives Zahlungsverhalten verfügen, bilden die Wiener das Schlusslicht im Bundesländerranking. Im Vergleich zum Burgenland haben hier rund doppelt so viele Konsumenten Inkassomeldungen.

Abb. 1: Ranking Bundesländer nach Bevölkerungsanteil mit Inkassomeldungen


Ein etwas anderes Ranking ergibt sich, wenn man die durchschnittliche Höhe der Inkassomeldungen betrachtet: Am besten schneidet Niederösterreich ab, wo die Forderungshöhe im Schnitt bei rund 390 Euro liegt. Dahinter folgen Kärnten (394 Euro) und Wien (395 Euro). Den letzten Platz belegt Tirol mit durchschnittlich rund 429 Euro an offenen Forderungen. Insgesamt gab es in allen Bundesländern deutliche Steigerungen im Vergleich zum Vorjahr – besonders in Tirol und in der Steiermark, wo die Höhe der Inkassomeldungen um jeweils rund ein Drittel (100 Euro) gestiegen ist. Lediglich in Wien ist die durchschnittliche Forderungshöhe gleichgeblieben.


Abb. 2: Ranking Bundesländer nach durchschnittlicher Höhe der Inkassomeldungen


Männer haben höhere Schulden als Frauen

Frauen verfügen insgesamt über deutlich niedrigere Zahlungsrückstände als Männer. So ist die durchschnittliche Forderungshöhe bei Männern mit rund 478 Euro um knapp ein Drittel höher als bei Frauen mit rund 333 Euro. Allerdings ist die Schuldenhöhe gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres bei den Geschlechtern unterschiedlich stark gewachsen: bei den Männern um 18 Prozent und bei den Frauen um 9 Prozent. Bei Frauen in Kärnten und Männern in Wien ist die durchschnittliche Forderungshöhe am wenigsten stark gestiegen (+3 Prozent bzw. +10 Prozent). Im oberen Bereich sind die Veränderungen bei Frauen in Tirol und Männern in der Steiermark angesiedelt (+15 Prozent bzw. +27 Prozent).

Viele Junge leiden an Überschuldung
Die Erhebung von CRIF zeigt auch, dass junge Menschen weitaus öfter von Überschuldung betroffen sind als ältere. So gibt es in der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen 14-mal so viele Personen mit offenen Forderungen wie in der Altersgruppe der 80- bis 84-Jährigen. Ab 45 Jahren sinkt der Anteil der Personen mit Inkassomeldungen stark ab (nur mehr 6-mal so viele Personen wie in der Altersgruppe der 80- bis 84-Jährigen). „Wenig überraschend verfügen vor allem jüngere Menschen über eine schlechtere Zahlungsmoral – das Einkommen ist vergleichsweise niedrig, das Konsumbedürfnis allerdings sehr hoch“, erklärt Recsey. „Gemessen an der Höhe der Schulden haben jüngere und ältere Personen die niedrigste durchschnittliche Forderungshöhe. Auch das lässt sich damit begründen, dass in diesen Lebensphasen nur ein beschränktes Einkommen zu Verfügung steht, wohingegen in der Phase, in der das Einkommen meist am höchsten ist auch die durchschnittliche Forderungshöhe am höchsten ausfällt.“

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